Es sei für einen 16-Jährigen eigentlich „unzumutbar, um 8 Uhr wach in der ersten Stunde zu sitzen“, sagt der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Göran Hajak, in einem Interview mit Spiegel Online. Das sei die Biologie – wissenschaftlich gut untersucht – sagt Herr Hajak, der nebenbei auch noch die Bamberger Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik leitet. Und gegen diese Biologie könne man wenig tun. Sofort bin ich hellwach und frage ich mich: Was ist eigentlich mit meiner Biologie um 8 Uhr morgens? Was sagt Herr Hajak über den Schlafrhythmus von Kolumnisten und anderen Büroknechten?
Aber anscheinend ist es der Wissenschaft schnurz und piepe, wie es uns Schreibtischmenschen geht um 8 Uhr, in der vermaledeiten ersten Bürostunde. Ja, ich möchte sogar sagen, dass sich dieser Zustand mitunter bis in die dritte, vierte und fünfte Bürostunde hineinziehen kann. Müde, ausgelaugt, einsam und verlassen fühlt sich der Arbeiter im Aktenberg des Herrn, wenn nicht zufällig ein Büroarbeiterkollege vorbeischluppt und voller Mitleid ein Glas Aspirin oder einen Cappuccino fallen lässt.
Ist es nicht ungerecht, dass in den Medien immer nur über die Biologie 16-jähriger Langschläfer lamentiert wird? Von uns Mausopfern an der Tastaturfront gibt es doch wesentlich mehr Exemplare als von den 16-jährigen Pickelnasen! Wir sind es doch, die hier den Laden am Laufen halten! Und wir sind müde, OBWOHL wir abends um 10 im Bett liegen. Wohingegen die Pubertiere ständig die halbe Nacht aneinander herumfummeln – in echt, aber natürlich auch per App und Twitter und dem ganzen smarten Zeugs! Ich muss ganz ehrlich sagen, dass da auch ich müde wäre … aber ich bin es ja sowieso und das ganz ohne Gefummel.
Doch der Psychiater Göran Hajak hat noch mehr herausgefunden: dass nämlich eine Vielzahl der Teenager, die in die Schule gehen oder arbeiten, an einigen Stunden des Tages nur halb wach sind. Wen kann das überraschen angesichts ihrer bereits erwähnten nächtlichen Aktivitäten? Und: Wer hat was dagegen? Wenn die Jugendlichen nur halbwach sind, können sie immerhin schon weniger Mist machen – Sie wissen schon: Kinder kriegen, sich Haschisch spritzen oder nach Syrien auswandern. Herr Hajak aber fordert: Wir sollten auf die Bedürfnisse der Jugendlichen Rücksicht nehmen. Wir sollten Schule und Lehre an die Lebensbiologie der Halbstarken anpassen.
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