Dinesh Bauer: Die Schwarze Jagd. Alpenkrimi | BUCHSZENE

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In Dinesh Bauers Alpenkrimi „Die Schwarze Jagd“ geht es zu wie in einer Screwball-Komödie

Titelbild Die Schwarze Jagd Dinesh Bauer

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6. August 2018 | Lorenz Lachner | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Ein Dorf-Polizist, der wildert. Eine Kugel, die nicht nur das Reh, sondern auch den Tiroler Kollegen tödlich trifft. Dinesh Bauers Krimi „Die Schwarze Jagd“ ist der dritte Fall für Schorsch Wammetsberger.


Dorf-Polizist Schorsch Wammetsberger ist nebenbei auch Wilderer

In „Die Schwarze Jagd“, dem dritten Fall für Schlawiner-Sheriff Schorsch Wammetsberger und Kripo-Kommissar Korbinian Eyrainer, trifft die tödliche Kugel nicht nur einen Rehbock, sondern auch einen Tiroler Kollegen: Gruppeninspektor Andreas Forcher bleibt nach einem höchst unübersichtlichen, nächtlichen Feuergefecht zwischen Wammetsbergers Freizeit-Wilderern und einer Bande Schleuser auf der Wallstatt. Die Schleuser fliehen zurück nach Tirol und Schorsch hat den Dreck im Schachterl. Was tun mit Forchers Leiche? Was tun, um nicht selbst unter Mordverdacht zu geraten? Die Spuren verwischen und ein Bock-Bierchen zischen. Womit wir bei einem der Sujets wären, um die die schrägen, schwarzhumorigen Geschichten von Dinesh Bauer rotieren: die Absurditäten und Untiefen einer immer komplexer werdenden globalisierten Welt, in der man nur überlebt, wenn man sich auf solch „klassisch“ bayerische Werte wie Halsstarrigkeit, Bauernschläue und Hinterfotzigkeit besinnt. Es erscheint paradox, aber gerade dieser oft als reaktionär verschrienen Geisteshaltung entspringt eine wahrhaft revolutionäre Kraft.

Blöd, dass ihm regelmäßig der Boandlkramer in die Knödel-Suppe spuckt

Polizeihauptmeister Schorsch Wammetsberger ist ein Ur-Bayer jenseits aller geläufigen Klischees. Am liebsten hätte Schorsch seine Ruhe, sein Bier und die Leckereien seiner Ehefrau Elfriede. Schorsch ist bei den Gebirgsschützen, weil man am Dorf ja irgendwo „dabei sein muss“. Und er ist Polizist, weil er in der Polizeiinspektion Bad Brennbruck eine ruhige Kugel schiebt und den Respekt der „anständigen“, sprich der kleinen, hier ansässigen Leute genießt. Seinen Vorgesetzten begegnet er, wie allen Großkopferten, mit inniger Abneigung. Alles Fremde und Abwegige ist ihm prinzipiell suspekt. Dabei handelt er jedoch stets nach dem Grundsatz: leben und leben lassen. Wammetsberger ist einer, der in sich selbst ruht und das Leben in vollen Maßkrug-Zügen genießt. Bloß blöd, dass ihm regelmäßig der Boandlkramer in die Speckknödel-Suppe spuckt. Eine Leiche bei der Anti-Terror-Übung, eine Leiche in der „buckligen“ Verwandtschaft seiner Frau und jetzt eine beim Wildern. Um nicht im Knast oder zumindest auf der Roten Liste zu landen, bleibt dem wackeren Streifenbullen nichts anderes übrig, als aktiv zu werden und den Mordfall Forcher mit unorthodoxen Methoden aufzuklären. Wammetsberger ist durch und durch „Bauch-Mensch“ und besitzt den Instinkt eines Bluthunds, der unbeirrt der Fährte des Killers zur Schlipfgrub-Alm folgt.

Das B-Team konzentriert sich auf: Bier, Brotzeit und Brennsuppe

Wammetsbergers Antagonist, der ebenso scharfsinnige wie spitzfindige Kripo-Kommissar Korbinian Eyrainer, arbeitet akribisch an der Lösung des Forcher-Falls. Er vertraut auf die Empirie, auf die Ergebnisse der Spurensicherung, der Gerichtsmedizin und auf seine „Spürnase“. Eyrainer ist ein „Urban Bayer“, ein Alpen-Ästhet, stets auf der Höhe der Country-Mode. Kurzum, Eyrainer und Wammetsberger sind vollkommen inkompatibel – und verhalten sich in etwa so wie Pinot Noir und Export Dunkel. An Eyrainers Seite sorgt sein Gehilfe „Hartl“ Harthofer für Verwirrung, zumal „Hartl“ wider Eyrainers Anordnungen als verdeckter Ermittler im Untergrund abtaucht und im Trachtler-, Rocker- oder wie in diesem Fall im Tiroler „Blaulicht“-Milieu fischt. Doch auch Wammetsberger hat mit seinem „B-Team“ – B wie Bier, Brotzeit und Brennsuppe – zu kämpfen. Franz Xaver Gschwandtner und Ignaz Irgl haben einen verhängnisvollen Hang zu hochprozentigen Getränken und eigentümlichen Hypothesen. Die halsbrecherischen Aktionen seiner Hilfs-Sheriffs bringen Schorsch regelmäßig in Teufels Küche. In diesem Fall legen sich die beiden Dickschädel mit der Guerilla-Truppe des selbst ernannten Chef-Revoluzzers „Che“ Wildbichler an, der leider mehr über ihre Verstrickung in den „Fall Forcher“ weiß, als Schorsch lieb ist.

Dinesh Bauers „Die schwarze Jagd“ ist keine „Easy-Going“-Unterhaltung

Wer einen Bayern-Krimi nach den üblichen Strickmustern von Eberhofer & Co. samt seichter „Easy Going“-Unterhaltung zwischen Bürotratsch und Leichenstarre sucht, wird hier bitter enttäuscht werden! Wer hingegen ein Herz für die Abenteuer eines bayrischen Don Quichotte hat und sich mit wahrer Wonne in die wild wogenden Wort-Gebilde des Autors stürzt, der wird an „Die Schwarze Jagd – der dritte Fall für Schorsch Wammetsberger“ seine Freude haben.

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