Bernhard Aichner: Der Fund. Rezension. Thriller | BUCHSZENE

Rita findet ziemlich viel Kokain in einem Bananenkarton. Doch der Versuch, die Drogen zu verkaufen und das Geld zu behalten, endet schrecklich für sie. Bernhard Aichners Thriller „Der Fund“ in der Rezension.

Für seinen Thriller „Der Fund“ hat sich Bernhard Aichner eine ganz besondere Konstruktion ausgedacht

4. Dezember 2019 | Birte Vandar

Titelbild Der Fund

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Die albanische Mafia findet Ritas Koks-Fund nicht witzig

In Bernhard Aichners „Der Fund“ entdeckt die Hauptfigur auf der Arbeit ziemlich viel Kokain in einem Bananenkarton und erliegt der Versuchung: Sie nimmt es mit heim. Die albanische Mafia findet das nicht witzig, aber Rita versucht trotzdem, das Zeug irgendwie gewinnbringend loszuwerden. Es gelingt ihr nicht und so ist sie bereits tot, bevor die Geschichte überhaupt beginnt. Bernhard Aichners Thriller hat also zwei Startpunkte: den Fund und Ritas Tod. Mit dem Fund startet die Retrospektive, mit dem Tod beginnen die Gespräche des Kommissars.

Bernhard Aichner hat sich eine raffinierte Konstruktion ausgedacht

Dass Rita schon vorher tot ist, ist nur einer der Kniffe, die den Thriller besonders machen – weil man zwischendurch immer wieder Hoffnung schöpft, es könnte ihr vielleicht doch irgendwie gelingen, davonzukommen; obwohl man ja eigentlich weiß, dass noch ein dickes Ende kommen wird. Doch genau genommen hat Rita keine Chance. Denn um das Kokain zu verkaufen, hat sie sich in unangenehme Gesellschaft begeben: Der koksende Milliardär kann sie ebenso wenig retten wie der Staatsanwalt, mit dem sie eine kurze Liaison eingeht.

Ich habe den Thriller „Der Fund“ in einem Zug durchlesen

Bernhard Aichner flechtet die zwei Erzählstränge genial ineinander: Zum einen sind da die Gespräche des ermittelnden Kommissars mit Zeugen und Verdächtigen, die als reine Protokolle geschrieben sind. Zum anderen ist da der Erzähler, der Ritas Geschichte nachempfindet. Die Protokolle sind oft cliffhangerisch einen Schritt voraus. Das ist so gut gemacht, dass man eigentlich kein Lesezeichen braucht: Man kann das Buch, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen. Bernhard Aichners Thriller braucht wenig Blut, um eine elektrisierende Atmosphäre von Gefahr entstehen zu lassen. Die beinahe gruseligste Szene hat ganz viel mit Zärtlichkeit zu tun (Nein, mehr spoilere ich nicht!). Dennoch kommt der allwissende Erzähler nicht drumherum, auch Geschehnisse zu schildern, die von großer Brutalität geprägt sind.

Dieser Roman bekommt von mir eine eindeutige Leseempfehlung

Je näher es auf das Ende von „Der Fund“ zugeht, desto mehr zieht Bernhard Aichner in beiden Erzählsträngen das Tempo an, und umso mehr nähern sie sich auch zeitlich an – bis zum Schluss in beiden die Auflösung schon fast zu ahnen ist. Aber jetzt, als das Ende eigentlich offen daliegt, nimmt Bernhard Aichner die Fäden und knüpft sie auf völlig unerwartete Weise aneinander – großartig! Dieser Thriller bekommt von mir eindeutig eine Leseempfehlung. Übrigens ist auch die aufwändige Aufmachung des Hardcovers eine Freude: Durch die bananengelbe Farbe der Außenseiten kleben die Blätter ein wenig aneinander. Beim Umblättern gibt das immer ein bisschen das Gefühl, als öffne man ein Geschenk und wisse wirklich nicht, was es sein könnte.

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