Franz Kotteder schildert einen fast unglaublichen Wirtschaftsthriller, in dem es – weit über TTIP hinaus – um die schrankenlose Herrschaft des Geldes geht. Ein Aufdeckerbuch über die Ziele und Methoden der globalen Wirtschaftselite und ihrer Marionetten in Verbänden und Politik.
Herr Kotteder, das zwischen Deutschland und den USA geplante Freihandelsabkommen ist voller Fallstricke für Europa. Worin sehen Sie die größten Gefahren?
Das Hauptproblem ist das marktradikale Denken, auf dem TTIP basiert. Es möchte alles Mögliche als Hemmnis für den Handel einstufen. Also zum Beispiel auch Verbraucher- und Umweltschutz. Auch geht es um Investitionsschutzverfahren, die ermöglichen, dass große Unternehmen Staaten wegen entgangener Gewinne verklagen. Und zwar nicht auf dem normalen Rechtsweg, sondern nicht öffentlich und ohne Revision. Das hebelt unser Recht aus.
In Ihrem Buch erklären sie mehrere solcher Schiedsgerichtsverfahren, die im Rahmen anderer Abkommen stattgefunden haben.
Ja, Vattenfall zum Beispiel: Der Energiekonzern verklagt die Bundesregierung wegen der Atomwende auf 4,7 Milliarden Euro. Vattenfall argumentiert, man habe in die Atomenergie in Deutschland investiert und durch die politische Entscheidung der Regierung entgingen nun Milliardengewinne. Das Ganze läuft ab vor einem Schiedsgericht in Washington. Da gibt es einen Richter und zwei Beisitzer, die fällen das Urteil.
Was sitzen da für Richter?
Laut einer Studie ist das ein kleiner Kreis von etwa 500 Anwälten aus großen Anwaltskanzleien weltweit. Die entscheiden sämtliche Schiedsgerichtsverfahren. Diese Verfahren sind im Zuge von Freihandelsabkommen eingeführt worden, ich glaube Deutschland war sogar das erste Land, das in einem Abkommen mit Pakistan auf so ein Schiedsgerichtsverfahren wert gelegt hat. Mittlerweile gibt es rund 300 Freihandelsabkommen. Drei Viertel der Verfahren gehen zugunsten der Unternehmen aus.
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