Anthony Doerr „Memory Wall“ – Pressestimme, Kritik | BUCHSZENE

Das Gehirn und andere Speichermedien

Memory Wall

© Memory Wall C.H. Beck

8. Juli 2016 | Jörg Steinleitner


Seine literarische Fantasie wirkt scheinbar grenzenlos. Anthony Doerrs fulminantes neues Werk kreist um die Kraft der Erinnerung und ist eine Hommage an das Leben.

Ein blindes Mädchen, ein Wehrmachtssoldat und ein Museumsschatz

Anthony Doerr zählt zu Amerikas besten Storytellern. Sein Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“ stand nicht nur monatelang auf der Bestsellerliste der „New York Times“, er war auch bei uns ein riesiger Erfolg. Die Geschichte um ein blindes Mädchen, einen Waisenjungen bei der Wehrmacht, einen Museumsschatz im von den Nazis besetzten Frankreich und einen geheimen Sender, gewann sogar den Pulitzer-Preis für Literatur.

Doerr hat neue Maßstäbe dafür gesetzt, was man mit einer Geschichte erreichen kann.

Dave Eggers

Anthony Doerr Alles Licht das wir nicht sehen Roman InhaltDoch jetzt legt Doerr nach: „Memory Wall“ heißt das bewegende neue Werk, das der spannenden Frage nachspürt, was mit uns geschieht, wenn wir von unseren Erinnerungen abgeschnitten werden. Der 74-jährigen Alma Konachek, die bei Kapstadt lebt, widerfährt genau dies. Sie verliert ihr Gedächtnis. Unbekannte brechen in ihr Haus ein, auf der Suche nach Hinweisen zu einem spektakulären Fossilienfund ihres verstorbenen Mannes. Alma hat eine Wand voller Fotos, Gedächtnisstützen, Speichermedien, in der sich irgendwo der Hinweis zu dem gesuchten Fossil befindet. Schließlich gelangt ein Junge in den Besitz des Geheimnisses. Wie alle Werke Doerrs, ist auch „Memory Wall“ eine Hommage an die Größe des Lebens, außerdem feiert der Schriftsteller darin die Eleganz von Fossilien und der Natur sowie das Glück, Gast auf dieser Welt zu sein.

Der stille David kann in die Zukunft blicken

Aber dieser Sommer bringt noch ein weiteres Highlight für Doerr-Fans: Sein Roman „Winklers Traum vom Wasser“ erscheint in einer neuen Ausgabe. Auch hier steht ein Junge im Mittelpunkt der Geschichte: der stille David Winkler aus Alaska, der Schnee liebt und die Schönheit der Eiskristalle bewundert. David kann in die Zukunft blicken. Doch eines Tages träumt er, seine Tochter werde in einer Flut ums Leben kommen. Wird es ihm gelingen, sie zu retten?

Anthony Doerr
Anthony Doerr

Geboren 1973 in Cleveland, lebt Anthony Doerr mit seiner Frau und zwei Söhnen in Boise, Idaho. Sein Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“ machte ihn weltberühmt.
Zur Biografie von Anthony Doerr

Anthony Doerr
Anthony Doerr

Geboren 1973 in Cleveland, lebt Anthony Doerr mit seiner Frau und zwei Söhnen in Boise, Idaho. Sein Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“ machte ihn weltberühmt.
Zur Biografie von Anthony Doerr

Mehr zur Rubrik
Herbert Kapfers Buch „1919“ ist ein Fanal wider Geschichtsverlust, Fatalismus und blinden Gehorsam
Titelbild 1919

Romane und Erzählungen | 28. Mai 2019 | Reinhard Leipert

Aufstände, Räterepubliken, Versailler Vertrag, Dolchstoßlegende, politischer Mord und Nazismus: Herbert Kapfer beschreibt in seinem Buch Deutschland im Jahre „1919“. Eine Zukunft ohne Zukunft?

Eckhart Nickel entwirft in „Hysteria“ eine Welt, die dystopisch ist – und gleichzeitig hochrealistisch
Titelbild Hysteria

Frau Bluhm liest Romane und Erzählungen | 19. Oktober 2018 | Frau Bluhm

Ein Mann entdeckt auf dem Biomarkt merkwürdig unnatürliche Himbeeren. Auf der Suche nach dem Rätsel ihrer Beschaffenheit und Herkunft gerät er in eine kulinarische Dystopie. Eckhart Nickels „Hysteria“.

In „Sechs Koffer“ erzählt Maxim Biller die dramatische Geschichte seiner eigenen Familie
Titelbild Sechs Koffer

Frau Bluhm liest Romane und Erzählungen | 8. Oktober 2018 | Frau Bluhm

Welches Familienmitglied hat den Behörden in Moskau verraten, dass Großvater Devisen schmuggelt. Um diese Frage kreist Maxim Billers für den Deutschen Buchpreis nominierter Roman „Sechs Koffer“.

Ein pittoreskes Dorf kämpft um seinen Baum
In Karine Lamberts „Eines Tages in der Provence” soll eine 100 Jahre alte Platane gefällt werden
Titelbild Eines Tages in der Provence

Frau Bluhm liest Romane und Erzählungen | 5. Oktober 2018 | Frau Bluhm

Ein Dorf in der Provence. Eine 100-jährige Platane, die gefällt werden soll. Und eine Dorfgemeinschaft, die das verhindern will. Frau Bluhm ist von Karine Lamberts „Eines Tages in der Provence“ hingerissen.