Helen Kampen: Angst in der Fächerstadt. Tipp | BUCHSZENE

Bombendrohungen auf Bio-Eiweißprodukten und Erpressung im Zusammenhang mit Waffenlieferungen. In Helen Kampens sorgfältig recherchiertem Krimi „Angst in der Fächerstadt“ ist Eiweiß einer der ganz großen Killer.

In „Angst in der Fächerstadt“ enthüllt Helen Kampen die Machenschaften der Lebensmittelindustrie

27. Mai 2019 | Bernhard Berkmann

Titelbild Angst in der Fächerstadt

© RobsPhoto shutterstock-ID:1013030296

Islamistische Bombendrohungen auf Bio-Eiweiß-Produkten

Gesunde Ernährung kann nicht schaden, sollte man meinen. Aber wer denkt, alles über die Wirkung von Proteinen zu wissen, könnte durch die Lektüre des Kriminalromans „Angst in der Fächerstadt” doch ins Grübeln geraten. Darin konfrontiert Helen Kampen ihren Burn-Out-geplagten Kriminalhauptkommissar Georg König mit einer unbekannten Leiche im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien, mit islamistische Bombendrohungen auf den Verpackungen einzelner Bio-Eiweiß-Produkte und mit einer Erpresserforderung, bei der es um Waffenlieferungen geht. Außerdem gibt es da noch Amadea König, die Gattin des Kripomanns, die davon überzeugt ist, dass ihr Nachbar an einer Überdosis Eiweiß gestorben ist. Als Ex-Journalistin ist es Amadea gewöhnt, ihre Nase in Dinge zu stecken, die sie nicht direkt etwas angehen. Dass sie einen Lebensmittelskandal aufdeckt, trägt nicht dazu bei, dass ihr Leben sicherer wird.

„Angst in der Fächerstadt“ enthüllt Erschreckendes über Eiweiß im Essen

„Die Angst lauerte an jeder Ecke wie ein unsichtbarer Geist und wartete darauf, ihr Unwesen zu treiben. Sich jedem unwillkürlich zu bemächtigen. Sich auszubreiten und festzusetzen wie ein gefährliches Virus. Sie steigerte sich bis ins Unermessliche und machte vor niemandem halt.” – Auch nicht vor einem Täter. Durch dessen Perspektive wird schon im Prolog von „Angst in der Fächerstadt“ deutlich, zu welchen Handlungen, ausgelöst durch Angst und gesellschaftlichen Druck, ein Mensch getrieben werden kann. Mit den beiden sehr unterschiedlichen Hauptfiguren, dem Ermittler Georg König und der Ex-Journalistin Amadea König, integriert Helen Kampen daneben zwei weitere Erzählperspektiven. So erfährt der Leser aus ziemlich unterschiedlichen Blickwinkeln allerlei Erstaunliches und Erschreckendes über einen Stoff, den wir täglich zu uns nehmen: Eiweiß!

Helen Kampen enthüllt die Machenschaften der Lebensmittelindustrie

Braucht die Welt wirklich Bio-Hühnereiweiß in Plastikflaschen? Um diese Frage kreist Helen Kampens Roman und offenbart angenehm nebenbei die Machenschaften der Lebensmittelindustrie. Gekonnt verflechtet die Schriftstellerin die harte Realität mit ein wenig Fiktion. Dabei erfahren wir nicht nur, warum den Konsumenten vorgegaukelt wird, zusätzliches Eiweiß sei mehr als nur ein kurzfristiger Lifestyletrend, sondern auch, wie die Industrie die aus einer proteinlastigen Ernährung resultierenden Spätfolgen bewusst ignoriert und dem eigenen Profit unterordnet.

„Angst in der Fächerstadt” wirft zwei dramatische Fragen auf

In diesem Kriminalroman steckt viel Hintergrundwissen, gepaart mit realen Fakten. Man erfährt wichtige Insights über die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln, die Auswirkungen von Trends und die Beweggründe der Lebensmittelbranche. Helen Kampen nimmt den Leser mit auf eine Reise, die es ermöglicht, einerseits tief in ernährungswissenschaftliche Details einzutauchen und andererseits, die Motivation von Polizeibeamten und selbstverwirklichungsgetriebenen Müttern nachzuvollziehen. Am Ende laufen alle Fäden zusammen und als Leserin oder Leser stellt man sich unweigerlich zwei Fragen: Wem kann ich noch vertrauen? Und soll ich jemals wieder in einem Supermarkt einkaufen oder durchbreche ich gleich die gängigen Handelsstrukturen und finde den Weg back to the roots? Zu natürlichen Zutaten.

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