Jörg Steinleitner im Interview über seinen Krimi „Blutige Beichte – Der LKA-Präsident ermittelt“
Herr Steinleitner, in Ihrem Krimi „Blutige Beichte“ jagt der LKA-Chef und Polizeipräsident Karl Zimmerschied eine Phantomin, die mordend, einbrechend und vergewaltigend durch München zieht. Eines ihrer Opfer ist ein Landtagsabgeordneter, der mit einem Dönermesser auf offener Straße ermordet wird. Ein anderes Opfer ist eine Studentin, die vergewaltigt wird. Wie sind Sie auf diesen Plot gekommen?
Durch einen wahren Fall. Mein Buch ist ja in enger Zusammenarbeit mit dem echten Polizeipräsidenten und LKA-Chef Robert Heimberger entstanden. Bei meinen Recherchen bin ich dann auch auf den „Wattestäbchenfall“ gestoßen, der die Kripo deutschlandweit und über Jahre beschäftigt hat. Es handelte sich um eine Tatserie, deren Verbrechen von der Deliktsart überhaupt nicht zusammenpassten. Aber jedes Mal fand sich am Tatort dieselbe DNA-Spur. Dieser reale „Wattestäbchenfall“ hat mich so fasziniert, dass ich gesagt habe, daraus muss man einen Kriminalroman stricken.
Im echten „Wattestäbchenfall“ stellte sich heraus, dass die einzelnen Taten der Serie gar nicht von ein- und derselben Täterin begangen worden waren, sondern dass immer nur die DNA der Mitarbeiterin einer Firma für die Herstellung von Wattestäbchen an den Beweismitteln haften geblieben war. Dass also im Produktionsprozess ein Fehler passiert war. Wie ist das in „Blutige Beichte“?
Das kann ich Ihnen nicht verraten. Nur so viel: Bei mir ist die Lösung für das Rätsel, vor dem die Ermittler stehen, ein bisschen komplizierter. Aber Karl Zimmerschied findet die Lösung irgendwann – natürlich auch dank seines durchaus eigenwilligen Stils und der Mithilfe seiner DNA-Expertin Dr. Isabelle Augustin.

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Ihr Krimi spielt vor allem in München. Allerdings lebt Polizeipräsident Karl Zimmerschied privat auf deinem Bauernhof auf dem Land. Und da steht eines Tages sein Freund, der Pfarrer vor der Tür und händigt ihm Handgranaten und ein Maschinengewehr aus, die ihm jemand in in einer IKEA-Tasche in den Beichtstuhl gestellt haben soll. Ehrlich gesagt, hört sich das ein klein wenig unglaubwürdig und konstruiert an.
Ha, von wegen! Vor einigen Jahren wurden die Sprengstoffexperten des Bayerischen Landeskriminalamts tatsächlich mal damit beauftragt, die Herkunft von Handgranaten und anderen Kriegswaffen, die in einem Beichtstuhl abgeladen worden waren, aufzuklären. Es kommt in der Realität immer wieder vor, dass irgendwo Kriegswaffen unbekannter Herkunft auftauchen. In „Blutige Beichte“ führen diese Waffen Karl Zimmerschied zu einer ziemlich erschreckenden Tat.
Das Besondere an Ihrer Hauptperson ist, dass es sich nicht um einen normalen Kommissar handelt, sondern um ein ziemlich hohes Tier im Polizeidienst.
Ja, Karl Zimmerschied ist Polizeipräsident und damit einer der höchsten Polizisten Bayerns bzw. Deutschlands.
Wie kamen Sie auf die Idee, so jemanden zu Ermittler zu machen?
Durch den echten Polizeipräsidenten und LKA-Chef Robert Heimberger. Ich habe vor einigen Jahren eine Lesung im Schießkeller des Landeskriminalamts gemacht. Da habe ich eine Szene aus meinem Anne-Loop-Krimi „Aufgedirndlt“ vorgelesen, in der ich mich über den Polizeipräsidenten von Oberbayern lustig mache. Nach der Lesung kam ein groß gewachsener Mann zu mir und sagte, dass ihm die Lesung gut gefallen habe, besonders die Szene, in der ich mich über den Polizeipräsidenten von Oberbayern lustig machte. Der Mann machte eine Pause. Dann sagte er: „Bis vor einem halben Jahr war ich nämlich der Polizeipräsident von Oberbayern. Jetzt leite ich das LKA.“ Ich dachte dann, dass man mich gleich festnimmt. Dem war aber nicht so. Die Leute vom LKA haben sehr viel Humor.
Das überrascht, wo im LKA doch ziemlich krasse Fälle landen.
Das hat mich auch gewundert. Aber es ist wirklich so: Sowohl die Polizisten als auch die Wissenschaftler, die im LKA arbeiten, haben alle eine sehr menschliche und viele auch eine sehr humorvolle Seite. Die LKA-Vizepräsidentin Petra Sandles hat mir mal gesagt, dass man ohne Humor die schlimmen Eindrücke, die diese Arbeit mit sich bringt, wohl nicht so gut verarbeiten könnte. „Sie glauben ja nicht, in welche Abgründe des Menschenlebens wir von der Kriminalpolizei Einblick bekommen“, hat sie damals gesagt. Da ist man vermutlich froh, wenn es auch mal was zu lachen gibt.
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