
Oliver Pötzschs Hosentaschen offenbaren ein malerisches Panorama
Die gute Nachricht zuerst: Es gibt noch Vertreter der schreibenden Zunft, die auf der emsigen Suche nach Inspiration durch Deutschlands Wiesen streunern und dabei Schreibzeug mit sich führen. Oliver Pötzsch ist so einer, der mir auf meine Frage hin, was er für gewöhnlich am Leibe trage, antwortet, er führe stets den „für Schriftsteller üblichen zerfledderten Notizblock und einen abgebrochenen Bleistift“ mit sich. Auch sonst bieten die Hosentaschen des Schöpfers der Henkerstochter-Romane ein malerisches Panorama: Neben Franken aus dem Schweizer Skiurlaub (Thomas Mann lässt grüßen!) und Fisherman’s Friend Pastillen, „die jeden Waschgang überleben“, führt Oliver Pötzsch alte Rechnungsbelege des Jahres 2014, „die eigentlich ins Steuerablagefach gehören“, mit sich sowie einen Ersatzknopf für sein Lesungssakko, den er anzunähen nicht imstande sei.
Jörg Maurer erfährt dank Lao-Tse eine Verwandlung
Jörg Maurer gibt sich in Sachen Notizbuch zerknirscht und schildert im gleichen Atemzug ein künstlerisches Dilemma: Früher habe er auf Schritt und Tritt einen Zettel dabei gehabt, um gegebenenfalls spontane Ideen aufzuschreiben. Wenn ihm aber etwas wirklich Gutes eingefallen sei (zum Beispiel beim Bergsteigen), habe er regelmäßig den Stift vergessen gehabt. Umgekehrt sei ihm jedesmal, wenn er beides dabei gehabt habe, überhaupt nichts eingefallen. Eine Zeit lang habe er ein Smartphone mit sich herumgeschleppt, um da spontane Einfälle draufzusprechen. Doch auch damit hat Alpenkrimikönig Jörg Maurer keine guten Erfahrungen gemacht: „Ich weiß nicht, ob es an der Software liegt, aber zu Hause haben sich die wirklich witzigen Geistesblitze immer furchtbar schwach angehört.“ Nun halte er es so: „Ich schreibe, bevor ich weggehe, einen guten Spruch auf einen Zettel, zum Beispiel eine fernöstliche Weisheit von Lao-Tse. Mehr habe ich nicht dabei: „Nimm fünf Stifte beim Wandern mit und keinen Zettel. Sei du selbst der Zettel, auf den die Natur schreibt.“ Seitdem gehe er viel Bergsteigen, ziehe ab und zu den Zettel heraus und versuche ihn zu verstehen. Jörg Maurer versichert, er brauche nun nicht einmal mehr einen Rucksack.
Su Turhan gibt sich bei der Konstruktion eines Alibis alle Mühe
Keinen Rucksack, aber eine Herrenhandtasche führt Su Turhan, Erfinder der Kommissar-Pascha-Romane mit sich. Darin verberge sich sein halbes Leben. Woraus wir schließen, dass bei Kriminalschriftstellern die Leichen nicht im Keller, sondern in der Herrenhandtasche liegen. Interessant ist, dass Su Turhan sich verdächtige Mühe gibt, vor uns Ermittlern den Inhalt seiner Hosentaschen als uninteressant erscheinen zu lassen: „In den Taschen … nichts Spannendes …“, schreibt er: „… Tabakkrümel, Ersatzfeuerzeug, manchmal eine Tabakspfeife, zusammen mit dem Tschechen.“ Über letzteren ist weiter unten noch ein Wort zu verlieren.
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