
Schiller umgab sich mit modernden Äpfeln, weil ihn ihr Geruch antörnte. Marcel Proust rauchte zur Entspannung Opium und Hans Christian Andersen führte stets ein Seil mit sich, um sich bei Bedarf aus einem brennenden Haus abseilen zu können. Aber auch unsere heutigen Großschriftsteller haben ihre Marotten und Geheimnisse. In seiner Kolumne geht Jörg Steinleitner einer so kuriosen wie brisanten Frage nach: Was haben Schriftsteller in der Hose?
Wie reagieren Isabel Bogdan, Axel Hacke und Jörg Maurer auf derart intime Fragen?
Manchmal, wenn ich in meinem Garten am See sitze und gerade keine Kuh vorbeispaziert, segeln mir seltsame Fragen in den Geist: Was denkt Melania über Donald? Wer wird Bundeskanzlerin? Was haben Schriftsteller in der Hose? Die ersten beiden Fragen kann mir niemand beantworten, den ich kenne. Die dritte schon: Was haben Schriftsteller in der Hose? Aber darf man mit so einer anspruchslosen und intimen Frage an berühmte Federartisten wie Isabel Bogdan oder Axel Hacke, Jörg Maurer oder Oliver Pötzsch herantreten? Gesetzt den Fall, man wagte es: Würden Sie überhaupt antworten oder würden sie einem den Vogel oder den Effenberg zeigen? Einen womöglich sogar aus ihrem Adressbuch radieren?
Stofftaschentuch, 100 m Zahnseide, Schweizer Offiziersmesser
Als endlich eine Kuh vorbeispaziert beschließe ich, das Risiko einzugehen und einigen Tastengöttern zu schreiben. Weil ich aber davon ausgehen muss, dass nicht jeder so viel in der Hosentasche mit sich führt wie ich (linke Hosentasche vorn: Stofftaschentuch, 100 Meter Zahnseide, gewachst, antibakteriell und fluoridhaltig; rechte Hosentasche vorn: Labello, Schweizer Offiziersmesser; rechte Hosentasche hinten: Münzen und Scheine; linke Hosentasche hinten: nichts), erweitere ich meine Frage: Was tragen Sie, liebe Schriftstellerin, lieber Schriftsteller stets am Leib?
Sofort fühle ich mich Isabel Bogdan verbunden
Isabel Bogdan, Autorin von „Der Pfau“, ist die erste die mir antwortet. Bereits nach Sekunden schreibt sie: „Ha! In meiner Tasche ist immer ein Schweizer Taschenmesser.“ Sofort fühle ich mich ihr verbunden. Isabel Bodgan und ich – die Schweizer-Taschenmesser-Träger unter den Schriftstellern! Allerdings, teilt sie mit, brauche sie es nicht oft, aber wenn, dann sei sie sehr froh, es zu haben. Und manchmal könne man „auch gleich noch andere Leute mit glücklich machen (Korkenzieher!).“ Wie Recht sie hat! Bestsellerautorin eben!
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