Friederike Schilbach: The Bathroom Chronicles | BUCHSZENE

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Friederike Schilbachs „The Bathroom Chronicles – 100 Frauen. 100 Bilder. 100 Geschichten“.

The Bathroom Chronicles

Foto © RossHelen shutterstock-ID: 623210993

10. August 2018 | Tina Rausch | Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten


Tageslicht und Badewanne: So sieht hierzulande das Traumbad aus. In „The Bathroom Chronicles“ zeichnen hundert Frauen aus aller Welt, darunter so prominente wie Lena Dunham, ein differenziertes Bild.


Das Bad als Wohlfühlort – Friederike Schilbachs „The Bathroom Chronicles“

Und wie viel Zeit verbringen Sie täglich so in Ihrem Bad? Um die 40 Minuten? Damit lägen Sie im deutschen Mittelfeld – wobei Frauen mit 47 Minuten etwa zwölf Minuten länger benötigen als Männer. Zumindest behauptet das die aktuelle repräsentative Grundlagenstudie der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). Ihr zufolge messen die circa 46,2 Millionen hiesigen Bäder im Durchschnitt gute neun Quadratmeter. Das ist über einen Quadratmeter mehr als vor zehn Jahren, doch laut der früheren Starschwimmerin Franziska van Almsick „gemessen an dem Nutzen des Bades für die Menschen“ immer noch viel zu klein. In Bädern stecke ein großes „Wohlfühl-Potenzial“, so die VDS-Badbotschafterin van Almsick. Dazu passt die in der Studie ermittelte künftige Relevanz einzelner privater Räume: Das Bad befinde sich hinter Küche und Wohnzimmer „in Lauerstellung“, konstatiert die VDS.

Wieso das Bad interessanter ist als jedes Schlafzimmer? Ist doch klar!

Da profiliert sich Friederike Schilbach doch glatt als Trendsetterin. „Immer schon fand ich das Badezimmer interessanter als Küchen- oder Schlafräume“, schreibt die Berliner Lektorin in dem von ihr initiierten Bildband „The Bathroom Chronicles“. „Es ist ein Ort, an dem man sich selbst begegnet, im Spiegel, beim Zähneputzen, Eincremen, Haare zurechtmachen, auf dem Weg in den Tag oder in die Nacht.“

Lena Dunham, Lily Brett und Leanne Shapton lassen sich ins Bad schauen

Inspiriert von der Erkenntnis, dass das Bad ihrer Freundin in Apulien deren Charakter widerspiegelte, startete Friederike Schilbach ihr Mitmachprojekt: Sie bat Frauen um Fotografien und kurze Texte über ihre Bäder, „und fast jede Freundin schickte mir den Kontakt einer weiteren Freundin, deren Badezimmer unbedingt Teil meiner Sammlung werden müsse“. Franziska van Almsick ist leider nicht dabei, dafür die kanadische Ex-Leistungsschwimmerin und Publizistin Leanne Shapton, die Schauspielerinnen Lena Dunham und Friederike Kempter, die Schriftstellerinnen Lily Brett und Sheila Heti sowie weitere internationale Frauen zwischen 20 und 75 Jahren aus Bereichen wie Kunst, Kultur und Mode.

Theresia Enzensberger verbirgt in ihrem Bad sogar Diebesgut

Die liebevollen, teils skurrilen Detailfotos und sehr persönlichen Texte führen weit über die VDS-Studie hinaus, die unser angebliches Traumbad auf zwei Hauptwünsche reduziert: Tageslicht und große Badewanne. Für diese hundert Frauen ist auch die kleinste, verwinkeltste Nasszelle erholsamer Ruhe- und Lieblingsort. So stellt sich die Künstlerin Agnes Barley jede Woche frische Blumen ins Bad, „immer wieder andere, die mich durch das Jahr begleiten“. Die Autorin Theresia Enzensberger freut sich über das von der Mutter stibitzte Chanel-Puderdöschen und dessen „Old World Glamour“, von dem man „im Badezimmer nie genug haben kann“, und Lisa Feldmann erinnert sich angesichts ihrer Giraffensammlung „jeden Morgen und Abend daran, wie sich Glücklichsein anfühlt“. Die Berlinerin Anna Rosa Thomae nennt ihr gerade mal drei Quadratmeter kleines Bad „die Wunderkammer meines Lebens“ – und bestätigt auf wundersame Weise dann doch noch die VDS: „Manchmal hätte ich allerdings auch einfach nur gern eine Badewanne.“

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