JoMu Art im Interview: L.i.o.S. – Hinter der Welt | BUCHSZENE

Ein KunstBuchRoman – was ist das? Der Autor und Künstler JoMu Art erklärt, was sich hinter seinem Werk „L.i.o.S. – Hinter der Welt“ verbirgt. Das Besondere: der Künstler antwortet nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern.

Der Künstler JoMu Art im Interview über seinen geheimnisvollen KunstBuchRoman „L.i.o.S. – Hinter der Welt“

6. Mai 2019 | Interview: Tim Pfanner

Titelbild JoMuArt

 

JoMu Art, was würden Sie sagen: Am Anfang war das Wort oder doch eher das Bild?

Darauf würde ich gerne mit einem einzigen Wort antworten. Oder mit einem einzigen Bild – je nachdem wie man es sieht.

Am Anfang war das Wort. Oder doch eher das Bild?

Sie haben mit „L.i.o.S. – Hinter der Welt“ ein besonderes Buch kreiert. Was spielt in diesem Werk die bedeutendere Rolle – die Bilder oder doch der Text?

Weder noch. Bildsprache und Textbilder verstärken einander. Die Bilder erzeugen zunächst einen spontanen Eindruck – den „Über-Blick“. Auf den zweiten Blick kann dann Verborgenes hervorstechen. Darauf kann der Text noch verstärkend hinweisen und so den Blickwinkel des Betrachters erweitern. Die Handlung des Romans gibt den Zeichnungen einen individuellen Sinn und Hintergrund. Es ist dann eben nicht mehr irgendeine Person die z.B. im Bild auftaucht.

Seite 28-29 aus L.i.o.S. – Hinter der Welt

Das ist interessant. Aber sagen Sie: wie entstand Ihr Buch – entwickelten Sie erst die Handlung und dann die Bilder dazu?

Nein, eher anders herum. Ich wollte eine Sammlung von Zeichnungen in eine Geschichte verwandeln. So entstand die Idee eines Künstler-Protagonisten, der im Koma durch seine Werke wieder Zugang zu sich selbst und seinem Sein findet. Seine Erinnerungen erscheinen wie Zeichnungen und umgekehrt. Die Bilder beeinflussen die Textwahrnehmung, gleichzeitig der Text aber auch die Bilder, indem ich beides digital erweitere, kombiniere, zerlege, überlagere etc. und so die Handlung komponiere. Der Text lenkt nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell – wie z.B. das Schwindelgefühl des Ich-Erzählers beim Blick hinauf zu den Baumkronen.

Baumkronen

Alle Zeichnungen im Buch sind in Schwarz- Weiß gehalten. Wäre eine Farbversion nicht ansprechender?

Aber es würde nicht zur erzählten Handlung passen: Den Protagonisten befällt eine Art Farbenblindheit. Er versucht sich an Farben zu erinnern z.B. an die einer Blume. Schaut man etwas genauer auf das Bild, erahnt man, was der Erzähler „liest“ und sich vorstellt. So können selbst graue Bilder in Farben erleuchten.

Schwarz-Weiß Blume

Die Bilder in Ihrem Buch zeichnet etwas Rätselhaftes aus. Fühlen Sie sich als Künstler verstanden, wenn wir sie auch als Suchspiel für den Leser verstehen?

Ja, ich mag dieses Vexierbildartige – die Vielgestaltigkeit, die unsere Mensch-Natur zu erschaffen vermag. Die Durchdringung von Vorstellung und Wirklichkeit, von Sein und Schein, das Spiel von Bild und Text, Licht und Schatten, Hell und Dunkel, die Suche nach Sinn. Das hat etwas Geheimnisvolles. Ganz so wie auf dem Bild mit dem Kopf des weißen Büffelkalbes als Spiegelung im Wasser.

Spiegelung im Wasser - L.i.o.S. – Hinter der Welt

Ihr Werk ist ein „KunstBuchRoman“. Haben Sie ein Vorbild dafür? Gibt es ein vergleichbares Buch dieser Art?

Ich habe bisher keines gefunden. Sucht man bei amazon nach dem ganzen Wort „KunstBuchRoman“, so erhält man tatsächlich nur ein Buch als Ergebnis. Das ist für mich auch Kunst – etwas Nicht-Identisches zu erschaffen und trotzdem eine inspirierende Harmonie zu wahren – wie der Fensterblick nach innen und außen.

Seite 44-45 aus L.i.o.S. – Hinter der Welt

Abbildungen: © 2019 JoMu Art


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