Männer an der Seite erfolgreicher Frauen. Interview | BUCHSZENE

Welchen Einfluss haben Männer auf die Karrieren ihrer Frauen? Wie glücken solche Beziehungen? Die drei Herausgeberinnen des Buchs „Männer an der Seite erfolgreicher Frauen“ im Interview.

Vanessa Conin, Martina Lackner, Angelika Weinländer im Interview – „Männer an der Seite erfolgreicher Frauen“

4. Februar 2019 | Interview: Jörg Steinleitner

Titelbild Männer an der Seite erfolgreicher Frauen

Frau Conin-Ohnsorge, Frau Lackner und Frau Weinländer-Mölders, Sie sind Herausgeberinnen des Buchs „Männer an der Seite erfolgreicher Frauen – Side by Side an die Spitze“. Warum haben Sie dieses Buch verwirklicht?

Martina Lackner: Mir war es ein Anliegen, das Thema „Welchen Einfluss haben Männer auf die Karriere von Frauen?“ zu beleuchten und öffentlich zu diskutieren. Wir alle wissen: Wenn das private Umfeld von Frauen, sprich der Partner und die erweiterte Familie, Frauen bei ihrem Karriereweg nicht unterstützen, sondern im Gegenteil, häufig sogar behindern, wird der Weg steinig und schwierig.
Dieses Wissen beziehen wir nicht aus der Literatur oder aus Studien, weil es dazu keine Literatur gibt. Daher war es uns Herausgeberinnen ein Anliegen, etwas zu enttabuisieren, was bisher in der öffentlichen Diskussion keinen Platz gefunden hat: dass die Karrieren von Frauen abhängig sind vom Partner, sowohl im positiven als auch negativen Sinn.

Ihr Werk präsentiert rund 20 Porträts von Männern an der Seite erfolgreicher Frauen bzw. von Paaren, bei denen die Männer die Karriere ihrer Frauen aktiv unterstützen. Gibt es etwas, was all diese Paare – neben der letztgenannten Eigenschaft – verbindet?

Angelika Weinländer-Mölders: In unseren Beispielen leben die Paare eine Beziehung auf Augenhöhe, das ist eine der entscheidenden Eigenschaften und Gemeinsamkeiten. Dabei ist es sicherlich hilfreich, wenn nicht entscheidend, dass der Partner einer Karrierefrau fest im Leben steht. Ist er unzufrieden oder frustriert mit seiner Situation, wird er seiner Partnerin nicht den Rücken stärken können oder wollen. Oder auch ihren Erfolg nicht als Erfolg eines Teams sehen, sondern eher mit Neid darauf blicken, was Frau in ihrem Leben erreicht hat.

Kann man sagen, dass diese Paare besonders zufrieden mit ihren Leben sind? Was macht diese Zufriedenheit aus?

Vanessa Conin-Ohnsorge: Ob die Paare besonders zufrieden sind, können wir natürlich nicht mit Sicherheit beantworten. Anzunehmen ist, dass wenn sich die Partner frei entfalten können und sich dabei noch gegenseitig unterstützen, dies in die „Zufriedenheit“ mit einzahlt. Wie bereits gesagt: Je ausgeglichener, zufriedener und erfüllter ein Mann durchs Leben geht, desto eher kann und wird er die eigene Partnerin unterstützen – so jedenfalls unsere Vermutung und die Erfahrung aus den Gesprächen.

Bedeutet es, in der eigenen Karriere zurückstecken zu müssen, wenn der Partner Karriere machen will? In Ihrem Buch kommen viele Paare zu Wort, bei denen beide Partner sehr erfolgreich sind. Handelt es sich hier wirklich um einen Verzicht oder ist dies nicht eher eine Frage perfekter Organisation?

Martina Lackner: Es ist vor allem eine Frage der Haltung, aus der sich dann ein Modell einer Doppelkarriere ableitet. Wenn ich es als Mann befürworte, dass meine Frau sich beruflich verwirklicht, ist die Organisation vielleicht mit Hürden verbunden (Kitaplätze, Zusatzbetreuung, finanzielle Belastung durch Personal …), aber machbar. Wenn der Wert der gleichberechtigten Karriere nicht gesehen wird, wird auch die Organisation nicht funktionieren. Weil Gegenargumente auf den Tisch kommen werden, die ein reibungsloses Funktionieren von Beruf und Familie verunmöglichen: Stichwort Rabenmütter, Kita zu teuer, oder Kinder werden verhaltensauffällig etc.

Hier und da liest man in Ihren Porträts, dass es ohne die Hilfe Dritter, etwa der Großeltern, nicht funktioniert. Finden Sie das in Ordnung?

Vanessa Conin-Ohnsorge: Das soziale Umfeld ist sowohl im Privaten als auch im Beruf ein maßgeblich unterstützender Faktor. Wenn das soziale Umfeld Hilfe beisteuert, so ist das nicht nur in Ordnung, sondern großartig, um sich Freiräume zu schaffen. Grundsätzlich ist Karriere ohne Unterstützung von außen nicht machbar.

Sie drei sind erfolgreiche Frauen und setzen sich in Ihren jeweiligen Funktionen für Frauen in Führungspositionen ein. Was ändert es, wenn in Unternehmen Frauen gleich viel oder mehr Einfluss haben als Männer?

Angelika Weinländer-Mölders: Grundsätzlich müssen wir erst einmal dahin kommen, dass ansatzweise gleich viele Frauen wie Männer in Führungspositionen sind. Aus den wenigen Studien, die es zu heterogenen Führungsteams gibt, ergibt sich das Bild, dass diese Firmen erfolgreicher sind. Weiterhin glauben wir auch, dass diese Firmen ein nachhaltigeres Wachstum aufweisen.

Umfragen zufolge legt die jüngere Generation wieder mehr Wert auf Familie, Freizeit und Privatleben. Dies gilt sowohl für junge Frauen als auch für junge Männer. Bewegen wir uns in eine Zeit hinein, in der Karriere „out“ ist – für beide Geschlechter?

Vanessa Conin-Ohnsorge: Karriere ist nicht „out“. Allerdings sind die jüngeren Generationen so sozialisiert, dass Karriere unter anderen Bedingungen stattzufinden hat. Geld steht weniger im Fokus – einen Sinn in der Arbeit zu finden und genug Zeit fürs Private zu haben, wird immer wichtiger. Wie und ob diese gewünschte Work-Life–Balance tatsächlich auch in den obersten Führungspositionen einzurichten ist, wird sich in naher Zukunft zeigen.

Wie können Männer ihren Frauen am meisten helfen, damit diese Karriere machen können?

Martina Lackner: Die beste Unterstützung für Frauen liegt meines Erachtens in einer emotionalen und mentalen Unterstützung. Wenn ein Mann durch Worte, Gefühle und Gesten zum Ausdruck bringt: Ich finde dich, meine Frau, toll, wenn du dich beruflich verwirklichst! Alle anderen Schritte, wie Organisation des Alltags werden sich automatisch aus so einer Haltung heraus ergeben.

Was können Unternehmen besser machen, damit mehr Frauen aufsteigen?

Angelika Weinländer-Mölders: Männer und Frauen müssen an ihrer Haltung, die durch etliche Jahre der Sozialisierung entstanden ist, arbeiten. Das Verändern des Mindsets beider Geschlechter ist eine der Zielsetzungen unseres Buches.

Was halten Sie von einem Familienmodell, bei dem die Frau 50 Prozent arbeitet und der Mann 50 Prozent – damit auch für die Kinder viel Zeit bleibt? Wie realistisch ist ein derartiges 50/50-Modell, wenn man – wie mehrere Ihrer Protagonistinnen – seiner Arbeit in den absoluten Topetagen der Wirtschaft nachgeht?

Vanessa Conin-Ohnsorge: Dem Modell ist nichts entgegenzusetzen. Die Zeit, die Eltern mit ihren Kindern haben, ist kurz, wenn man diese im Kontext der gesamten Erwerbstätigkeitszeit sieht. Daher ist es schön, den Kindern viel Zeit zu widmen und die Zeit zu genießen. Ob ein solches Modell in den oberen Führungsetagen heute schon realistisch ist, bezweifele ich allerdings.

Am Ende Ihres Buchs verraten Sie acht Themenaspekte, die den Karriereweg von Frauen besonders beeinflussen. Was ist Ihr wichtigster Tipp für Paare mit Karrierewunsch?

Angelika Weinländer-Mölders: Entscheidend ist, dass beide Seiten offen sind, in allen Punkten die Rollen so zu verteilen, wie es den persönlichen Fähigkeiten und Vorlieben entspricht.

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