Er war ein Menschenrechtsaktivist und Abenteurer, der scheinbar keine Angst kannte. In „Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen“ erzählt der 2020 verstorbene Rüdiger Nehberg sein beeindruckendes Leben.

Rüdiger Nehbergs Autobiografie „Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen“ reißt einfach mit

31. März 2021 | Selina Tapia

Titelbild Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen

©Triff shutterstock-ID 1551832775

Das Verbrechen „Weibliche Genitalverstümmelung“ beenden

Am 1. April 2020 starb Rüdiger Nehberg, ein Menschenrechtsaktivist, dessen bemerkenswertes Leben heute mehr denn je Relevanz hat. Mit besonders viel Herzblut setzte er sich für die Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung ein, ein Verbrechen, das noch immer täglich tausenden jungen Mädchen (übrigens auch in Deutschland) widerfährt. In seiner Autobiografie „Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen“ gibt er deshalb der Entstehung und dem Wirken seiner Menschenrechtsorganisation TARGET e.V., die nicht nur gegen FGM (engl.: „female genital mutilation“) kämpft, sondern auch für die Rechte indigener Völker, mit über der Hälfte seines 429 Seiten langen Buches das meiste Gewicht.

Sein Lebenswerk lässt einen mit Wut, aber auch Hoffnung zurück

Trotz der Schwere des Themas lässt sein Lebenswerk einen nicht nur mit Entsetzen und Wut, sondern vor allem mit Tränen der Rührung, Hoffnung und einem Lächeln zurück. Etwa wenn Rüdiger danebensteht, als seine Frau Annette ein von einem Handtuch umwickeltes Paket übergeben bekommt und ihm im Glauben, es handele sich dabei um ein frisch gebackenes Brot, bereits das Wasser im Mund zusammenläuft, er aber feststellen muss, dass sich darin ein neugeborenes Baby befindet. Dessen Mutter sagt daraufhin weinend: „Das ist meine Tochter (…) ich habe sie gestern Abend geboren. Sie ist das erste Afar-Mädchen, das nicht mehr verstümmelt wird. (…) Du bist ihre zweite Mutter.“

Ein Leben an der Grenze – „Ich tauschte Torten gegen Torturen“

Rüdiger Nehberg gliedert die wichtigsten Stationen in seinem Leben in 43 Kapitel, jedes für sich ein eigenes kleines Abenteuer und in der Mitte dürfen sich Leserin und Leser an zahlreichen Bildern erfreuen, die seine Taten tatsächlich bezeugen. Seine Erzählungen sind nahbar, direkt und durchzogen von einem ganz eigenen selbstironischen Stil, denn eines wird deutlich – Humor war ein elementarer Bestandteil seines Reisegepäcks.

Er beschwor Schlangen und überquerte im Tretboot den Atlantik

So radelte der gelernte Konditormeister bereits mit 17 Jahren heimlich durch Marokko, um Schlangenbeschwörung zu lernen, überquerte im Tretboot den Atlantik oder zu Fuß mit Insekten und Kadavern als Nahrung ganz Deutschland und oft fragt man sich still, ob er das denn nun wirklich auch noch tun oder essen muss. Und ja, er muss. Sein Erlebnishunger treibt ihn bis zum brasilianischen Stamm der Yanomami-Indianer, in dessen Überleben er das erste Ziel seiner Menschenrechtsaktionen und schließlich auch einen tieferen Sinn und seine Bestimmung findet.

Begegnungen auf Augenhöhe – auch mit den Yanomami-Indianern

Eindrücklich schildert er die Schicksale der Menschen, die ihm auf seinem Weg begegnen und bringt mit berührenden und humorvollen Anekdoten fremde Kulturen nahe, wie in der Begegnung mit einem jungen Indianer, der ihn zwei nasse Socken aufhängen sah und kurzum einen davon mitnahm weil in seinem Volk das Grundgesetz herrscht „Wer mehr hat, muss abgeben“. Er fand es nicht schlüssig, dass ein Mann zwei Socken braucht.

Viel Wertvolles darüber, wie interkultureller Dialog funktioniert

Rüdiger Nehberg lebte einige Zeit bei den Yanomami-Indianern und lernte ihre Kompetenzen und Werte kennen, wie auch umgekehrt. Hier können wir viel Wertvolles mitnehmen, denn auf diese Weise funktioniert u.a. ein erfolgreicher interkultureller Dialog. In einer Begegnung auf Augenhöhe, getragen von Respekt und einer differenzierten Betrachtungsweise. Seinen Strumpf bekam Rüdiger Nehberg am Ende dann übrigens wieder.

„Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen“ – was wir für uns lernen können  

Der Autor durchquerte einige der gefährlichsten Regionen der Welt, verhalf tausenden von Menschen zu ihren Rechten, errichtete Krankenhäuser, brach uralte Traditionen auf und sah „unmöglich“ als Ansporn. Doch wie konnte er nun den titelgebenden Mut gegen all diese Gefahren aufbringen? Und was können wir, als Normalsterbliche, die sich nicht unbedingt von einer Python „probewürgen“ lassen wollen, von seinem Leben mitnehmen?

Rüdiger Nehbergs Botschaft: Verständnis für den anderen aufbringen

Getreu dem Zitat von Marie Curie „Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr“, lernte auch Rüdiger Nehberg zunächst jede Gefahr genau kennen, bevor er sich ihr stellte. Ob es nun die Python, der Dschungel oder eine alte menschenrechtsverletzende Tradition war. Schlussendlich wurden die vermeintlichen Gegner zu seinen Verbündeten, weil er allem und jedem mit Empathie begegnete und dessen Beweggründe kennenlernte. Auf dieser Basis konnte er etwas erreichen und wahre Veränderung bewirken. Wenn wir uns also das nächste Mal vor einer wie auch immer gearteten Gefahr befinden, sollten wir vielleicht nicht sofort das feindliche Lager errichten, sondern zunächst mit Verständnis vorangehen, um selbst den Mut aufzubringen, das Richtige zu tun.


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