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Wittwer in Stuttgart

13. Oktober 2016 | Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Begeisternd, inspirierend, zeitgemäß

In der Monopoly Edition Stuttgart ist sie die Top-Adresse, und jenseits der Welt beliebter Brettspiele eine der zehn meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands: die Königstraße in Stuttgart. Hier, in der Nr. 30 am Schlossplatz, findet sich das Stammhaus der 1867 gegründeten  Buchhandlung Wittwer. Das Buchhaus Wittwer ist, zusammen mit vier weiteren Filialen, nicht nur eine der großen und bekanntesten Buchhandlungen Baden-Württembergs, sondern darüber hinaus auch eine der ersten Adressen im deutschen Buchhandel. Eine Buchhandlung, in der Tradition und Moderne lebendig und zukunftsfähig nebeneinander stehen – wobei sich Tradition nicht als Anbetung der Asche, sondern als Weitergabe der Glut versteht. Sie wird von der fünften Generation der Familie Wittwer geleitet, deren buchhändlerisches Selbstverständnis im steten Blick auf die Bedürfnisse ihrer Kunden gründet. „Bei allem, was wir tun“, sagt Dr. Konrad Wittwer, Inhaber und mit Rainer Bartle einer der beiden Geschäftsführer von Wittwer, „wollen wir Ihnen das gute Gefühl vermitteln, dass wir mit Freude und Engagement unseren Beruf zu Ihrer Zufriedenheit ausüben.“ Darüber hinaus liegt den Stuttgartern „die Ausbildung junger Menschen in einem schönen Beruf mit vielen Möglichkeiten der fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung“ besonders am Herzen. Zu Recht ist man „der festen Überzeugung, dass nur der, der heute hier in die Zukunft investiert, morgen auch auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken kann.“ Wie erfolgreich diese engagierte Firmenphilosophie in Stuttgart gelebt und umgesetzt wird, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass das Buchhaus Wittwer, zusammen mit weiteren unabhängigen deutschen Sortimentern, am 5. Oktober 2016 in Heidelberg von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit dem Deutschen Buchhandlungspreis 2016 ausgezeichnet wurde.

Nix gschwätzt isch gnuag globt – geschwiegen ist genug gelobt, heißt es im Ländle. Weil die Buchhandlung des Monats aber diesmal Wittwer heißt, haben wir mit Rainer Bartle dann doch mal ein wenig über Buchhandel und Kommunikation, Werbung und Marketing und das Neuerfinden im Allgemeinen und für Wittwer im Besonderen „gschwätzt“.

Herr Bartle, die Buchhandlung Wittwer erfindet sich derzeit neu. Warum?

Zunächst, weil wir unseren Kunden zeigen wollen, dass wir mindestens genauso spannend und modern sind wie die Online-Konkurrenz oder die Einkaufscenter am Stadtrand. Dann, weil Wittwer, wie andere, fest in ihrer Stadt verankerte, oft inhabergeführte Buchhandlungen, über einen bestimmten Mehrwert verfügt. Der heutzutage, in der die Digitalisierung – der wir uns alles andere als verschließen – viele Bereiche bestimmt, oft unterzugehen droht: „Der menschliche Faktor“. Wir sind an den Menschen, die bei uns ihre Bücher kaufen, näher dran. Wir verstehen sie, weil wir ihnen, unseren Kunden, „nahe stehen“. Ganz einfach, weil wir da sind – wir sind vor Ort! Hier reagieren nicht Algorithmen auf eingetippte Anfragen, hier treffen Menschen auf Menschen. Auf Ansprechpartner. Gestandene Buchhändlerinnen und Buchhändler. Gegebenenfalls auch persönliche Kümmerer. Das alles wollen wir deutlich machen und transportieren. Hier, wo wir Bücher verkaufen, und über unser lokales Buchhandelsmarketing.

Geben Sie uns drei Adjektive: Was macht gutes Buchhandelsmarketing aus?

Es ist freundlich, überraschend und zeitgemäß.

 

Boris Entrup bei Wittwer

Boris Entrup bei Wittwer

Sie haben einmal in der Stuttgarter Innenstadt eine verrückte Guerillamarketing-Aktion gestartet.

Ja, allerdings, mit den Blue-Men. Das war eine Kampagne, deren Wirkung uns selbst überrascht hat. Eine andere große Buchhandlung in Stuttgart hatte ihre Filiale geschlossen. Für ehemalige Kunden dieser Buchhandlung konnte das natürlich beängstigend wirken: Wo soll ich denn in Zukunft meine Bücher kaufen? Also haben wir gesagt, wir müssen darauf hinweisen, dass es in Stuttgart weiterhin Bücher gibt. Schwäbisches Understatement, offensiv kommuniziert.

„Das Lesen geht weiter“ hieß Ihr Slogan.

Genau. Damit wollten wir die Leute wirklich überraschen. Also haben wir die Blue-Men, eine Artistentruppe in eng anliegenden blauen Anzügen, um vier Uhr morgens auf die Straße geschickt. Die haben dann mit Kärchern, Wasserfarbe und Schablonen den „Das Lesen geht weiter“-Slogan auf die Königstraße gesprüht. Die Resonanz war überwältigend. Wir setzen die Blue-Men seither auch für andere Marketingaktionen ein.

Auch im Radio hört man von Wittwer. 

Mit der Werbung im Lokalradio wollen wir erreichen, dass alle, die morgens aufwachen und von einem Buch träumen, sofort an Wittwer denken. Wir wollen ganz gezielt als regionale Marke wahrgenommen werden.

Blue-Men und Radiospots als kommunikative Spitzen des Buchhandelsmarketings?

Ja, aber das sind sozusagen nur die „Peaks“, die Höhepunkte. Unser Marketingkonzept ist durchaus klassisch angelegt, als intensive Kommunikation mit Lesern und Buchkäufern. Dabei nutzen wir alle vorhandenen Medien und Kanäle, natürlich auch Online. Und versuchen, auf der ganzen kreativen Klaviatur zu spielen, die uns die Zusammenarbeit mit unseren Partnern – Verlagen, Autoren und langjährigen externen Dienstleistern – bietet. Von individuellen Buchhandelsmagazinen, Katalogen, Prospekten und Kampagnen über Lesungen, Buchpräsentationen, Signierstunden, Aktionen, lokalen und regionalen Kooperationen bis hin zu intensiver PR-Arbeit.

Auch in Ihren Geschäftsräumen haben Sie Innovationen eingeführt.

Kundenorientierte Neuerungen, richtig. Insgesamt arbeiten daran, unsere Buchhandlungen aus dem Blickwinkel des Kunden zu betrachten und entsprechend zu gestalten. Dort, wo es auch aus Kundensicht sinnvoll ist, wie z.B. im Reisebereich, haben wir mit Fachverlagen erfolgreich erste Partnerschaftsmodelle in Form von Shop-in-Shop-Systemen initiiert. Da im Verhältnis Buchhändler zu Kunde – Stichwort „menschlicher Faktor“ – das Thema „Emotionalität“ zunehmend eine Rolle spielt, haben wir außerdem zusammen mit der Firma Rolf Benz eine atmosphärische Leselounge gestaltet. Die lässt sich mit wenigen Handgriffen in eine Location für kleinere Veranstaltungen verwandeln. Derart sinnstiftende Partnerschaften mit attraktiven Marken verbuchen unsere Kunden eindeutig auf der Haben-Seite.

Johann Lafer bei Wittwer

Johann Lafer bei Wittwer

Wie reagieren Ihre Kunden eigentlich grundsätzlich auf den „neuen“ Wittwer?

Die sagen: „Toll, dass ihr endlich ein Gegengewicht zum Onlinehandel aufbaut.“ Die Kunden nehmen wahr, dass wir ein real existierender Buchhändler sind und nicht einfach nur eine gesichtslose Online-Plattform. Das freut uns natürlich. Übrigens  – natürlich können wir auch „online“. Gehen Sie einmal auf unsere Homepage und überzeugen Sie sich. Wir beherrschen online,  aber online beherrscht nicht uns. Abgesehen davon: Auch der „neue“ Wittwer“ ist immer noch „der Wittwer“. Letztlich sind wir alle, Buchhändler, Kunden, Leser,  Autoren und Verlage, einem Prozess unterworfen. Alles ist im Fluss. Und nur wer sich ständig neu erfindet, bleibt. „Survival of the Fittest“ – das heißt nicht, dass der Stärkere überlebt. Sondern der, der sich am besten anpasst. Das geht, insbesondere im Buchhandel, immer nur in Übereinstimmung mit den Menschen, die bei uns ihre Bücher und Medien einkaufen. Die sich hier wohlfühlen und einander begegnen, die uns trauen und vertrauen. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Kommunikation ist nie eine Einbahnstraße, aber immer ein Königsweg.

Eventuell sogar eine Königstraße…

Das haben Sie jetzt gesagt.

Herr Bartle, wir haben unser Gespräch mit drei Adjektiven begonnen, lassen Sie uns auch damit enden: Was macht für Sie ein gutes Buch aus?

Es muss begeisternd, inspirierend und unterhaltend sein – wie eine gute Buchhandlung.

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