Er ist weltberühmt und doch weiß niemand, wer er ist. Mit ihrem Bildband über den Künstler Banksy gelingt Stefano Antonelli und Gianluca Marziani eine spannende Annäherung.

Stefano Antonellis und Gianluca Marzianis Bildband „Banksy“ feiert den Künstler und seine Kunst

Banksy

Banksy will mehr durch sein Schaffen als durch sein Leben wirken

Banksy wurde 1974 in Bristol geboren, beziehungsweise 1973 in Yate. Das finden Sie seltsam? Nun, die Sache ist schnell erklärt – mit Banksy verhält es sich nämlich so: Die einzig objektiv wahren Fakten sind seine Werke; was sein Leben betrifft, ist es schwierig zu sagen, was Legende ist und was Wahrheit. Aber gerade in den Nuancen dazwischen finden wir Verständnis für das Leben und die Werke dieses Street-Art-Künstlers, der mehr durch sein Schaffen als durch sein Leben in Erscheinung treten will. Jüngst hat Banksy in der Ukraine, teils auf zerstörten Häusern, Graffiti hinterlassen.

Stefano Antonelli und Gianluca zeigen wie Banksys Kunst entsteht

Mangels biographischer Informationen, nähert sich der opulente Bildband „Banksy“, den Stefano Antonelli und Gianluca Marziani nun vorlegen, von der Werkseite an den derzeit vielleicht populärsten Künstler der Welt an. Mit Einfühlungsvermögen und Sachverstand zeigen sie, vor welchem Hintergrund Banksys Kunst entstand und entsteht, welches seine Vorbilder und Inspirationen sind und wie der große Außenseiter sich doch immer wieder durch seine brandaktuellen, oftmals ironischen und politischen Inszenierungen in den Mittelpunkt des Interesses schiebt.

Sweep it under the carpet - Banksy

Banksy nutzt seine Medienmacht, um Moral-Botschaften zu übermitteln

Banksy sei, so die Autoren, „einer der wenigen lebenden Künstler, der Bedeutsamkeit und Bedeutung miteinander verbindet und seine Medienmacht nutzt, um moralisch bedeutende Botschaften zu vermitteln.“ Zugleich dürfte er einer der humorvollsten lebenden Künstler sein. „Kunst ist ein Witz“, sagt er in einem der wenigen Filme, in denen er sich der Kamera stellt. Doch aus diesem Witz heraus gelingt es ihm immer wieder, auf gesellschaftliche Missstände, Spielarten von Diskriminierung und zentrale Themen wie Umweltverschmutzung hinzuweisen.

Dieser Bildband zeigt eine ziemlich komplette Timeline seines Werks

Die Ausstellungsmacher Stefano Antonelli und Gianluca Marziani bilden in diesem herrlichen Band Banksys gesamtes künstlerisches Schaffen in Form einer Timeline seiner Werke ab. Von den Ursprüngen im Punk und der Graffitikunst, über die Jahre in seiner mutmaßlichen Heimatstadt Bristol, bis zu seinen weltweit beachteten Aktionen in Palästina, Venedig oder den berühmtesten Museen der Welt. Denn das ist es auch, was dieses Buch deutlich macht: Banksy ist nicht „nur“ der bedeutendste Street-Art-Künstler, er hat längst auch die Ausstellungsräume der Welt mit seiner spielerischen Kunst besetzt.

Palästina Flower Thrower Ramallah

Woran erkennt man einen echten Banksy? Wie viel kosten seine Werke?

In dem dicken, ästhetisch gestalteten Bildband zu schmökern macht von der ersten Seite an Freude. Die Banksys Werken zur Seite gestellten erklärenden Texte sind reich an interessanten Details und lesen sich dabei ebenso unterhaltsam wie sich Banksys Kunst betrachten lässt. Am Ende des Buchs werden spannende Fragen über seine Arbeit beantwortet wie: Woran erkennt man, ob ein Werk wirklich von Banksy ist? Woher kommt der begründete und politische Einsatz von Ratten? Wie viel kosten die Werke von Banksy heute? Und: Sind sie sichere Investitionen?

<a href="https://buchszene.de/redakteur/joerg-steinleitner/" target="_self">Jörg Steinleitner</a>

Jörg Steinleitner

Geboren 1971, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule. Er veröffentlichte rund 25 Bücher für Kinder und Erwachsene. Steinleitner ist seit 2016 Chefredakteur von BUCHSZENE.DE und lebt mit Frau und drei Kindern am Riegsee.

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