"Als wir fast mutig waren" im Bestseller-Check | BUCHSZENE

Jen Whites „Als wir fast mutig waren“ – ein spannender Roman über zwei mutige Mädchen auf Abenteuerreise

Titelbild Als wir fast mutig waren - Jen White

Shutterstock © MyImages - Micha Bild-ID: 171458258

BUCHSZENE-Faktor:

Romantik

Komik


Weisheit


Gänsehaut


Unterhaltung


12. Januar 2018 | Annika von Schnabel


Was macht man, wenn man als 12-Jährige mit seiner kleinen Schwester vom eigenen Vater an einer einsamen Tankstelle ausgesetzt wird? Man wächst über sich hinaus. „Als wir fast mutig waren“ im Bestseller-Check.


Zwei Mädchen, ausgesetzt und allein an einer einsamen Tankstelle

Als ich die Inhaltsangabe zu Jen Whites „Als wir fast mutig waren“ las, war ich sofort gepackt: Zwei Mädchen, acht und zwölf Jahre alt, werden von ihrem Vater an einer Tankstelle mitten im Nirgendwo von Amerika ausgesetzt und müssen sich allein durchschlagen. Ohne Geld, ohne Essen, ohne Erwachsene, die helfen würden. Im Gegenteil: Während des Abenteuers, das die kleine Billie und ihre große Schwester Liberty erleben und das sie viele hundert Kilometer durch die USA führt, werden sie auch gefährlichen Menschen begegnen. Aber Liberty findet mit ihrer natürlichen Intelligenz, ihrem mitreißenden Mut und ihrem nur selten ins Wanken geratenden Überlebenswillen stets einen Ausweg: Die jungen Heldinnen von „Als wir fast mutig waren“ übernachten heimlich auf den Liegen eines Hotelpools und bestehlen eine Frau, um an Essen zu kommen. Sie werden von einem dubiosen Sheriff verfolgt und können entkommen. Sie steigen bei fremden, nicht immer vertrauenserweckenden Menschen ins Auto und ziehen den Kopf doch immer wieder gerade noch so aus der Schlinge. Sie geraten in ein Rattenhaus und schaffen es, sich zu befreien. Sie werden von brutalen Jungs verfolgt und entkommen. Sie werden mit einem Tattooman konfrontiert, von dem sie nicht wissen, ob er Freund ist oder Feind.

Dem Charme der Erzählerin von „Als wir fast mutig waren“ kann man sich kaum entziehen

Erzählt wird die spannende Geschichte von Liberty selbst. Jen White hat den Tonfall der nervenstarken Zwölfjährigen glaubwürdig getroffen. Im Laufe von „Als wir fast mutig waren“ lernen wir sie immer besser kennen und können uns immer weniger dem Charme ihres scheinbar durch nichts zu brechenden Durchhaltewillens entziehen. Faszinierend sind auch die erwachsenen Gedanken, die sich das Kind in den Ausnahmesituationen, in die sie das Verschwinden ihres rätselhaften Vaters katapultiert hat, macht. „Was hatte Mom immer gesagt? Du hast die Verantwortung, Liberty.“

Wir waren ein Team. Ich fasst ihre Hand und verschränkte unsere Finger

Die Mutter der beiden ist überraschend gestorben. Und eigentlich sollte sich der Vater um sie kümmern. Ein Vater, der sich seinerzeit aus dem Staub gemacht hatte, als Billie und Liberty noch ganz klein waren. Wenn man keine Mutter hat und einen Vater, der spurlos verschwindet, bleibt einem nur der Glaube an sich selbst und die kleine Schwester und so legt Jen White ihrer Protagonistin folgende Sätze in den Mund: „Wir waren ein Team. Ich fasste ihre Hand und verschränkte ihre Finger in meinen. ‚Es ist alles gut‘, flüsterte ich. ‚Alles wird gut. Mach dir keine Sorgen.‘“ Am Ende von „Als wir fast mutig waren“, so viel sei sicherheitshalber und ohne zu viel zu spoilern (angesichts der vermutlich jungen Leserschaft) verraten, soll Liberty mit diesem Versprechen Recht behalten: Alles wird gut.

Mehr zur Rubrik
In Doris Knechts Roman „weg“ sucht ein Elternpaar die eigene Tochter und findet sich selbst
Titelbild weg

Bestseller-Check Slider posts | 19. April 2019 | Jörg Steinleitner

Eine junge Frau, seelisch instabil, verschwindet. Ihre Eltern, längst getrennt, suchen nach ihr, reisen bis nach Asien und finden dabei sich selbst. Doris Knechts Roman „weg“ liest sich wie im Rausch.

Alexander Gorkows „Hotel Laguna – Meine Familie am Strand“ feiert die Familie, Mallorca und das Leben
Titelbild Hotel Laguna

Bestseller-Check Familienromane | 8. April 2019 | Jörg Steinleitner

Dieses Buch gehört in den nächsten Urlaub mit, findet unser Rezensent. Aber es gibt auch etwas, das ihn bei der Lektüre von Alexander Gorkows „Hotel Laguna – Meine Familie am Strand“ mächtig ärgert.

John Ironmongers „Der Wal und das Ende der Welt“ hat eine tröstliche Botschaft für uns alle
Titelbild Der Wal und das Ende der Welt

Bestseller-Check | 27. März 2019 | Von Frau Bluhm

Erst strandet ein halbtoter, nackter Mann an der Küste von St. Piran. Kurz darauf stirbt fast ein Wal. John Ironmongers „Der Wal und das Ende der Welt“ ist ein Endzeitroman mit optimistischer Aussage.

Anne Gesthuysens „Mädelsabend“ erzählt die Geschichte von vier Generationen im Nachkriegsdeutschland
Titelbild Mädelsabend

Bestseller-Check Gegenwartsliteratur | 8. März 2019 | Bernhard Berkmann

Von den 50er-Jahren bis ins Deutschland der Gegenwart reicht Anne Gesthuysens Roman „Mädelsabend“. Eine Geschichte voller berührender Lebensweisheit, in der vieles geglückt ist, manches aber nicht ganz.