
Herr Heller, Sie publizieren gemeinsam mit Ihrer Frau Gabi Heller Reiseführer. Wenn man sich anschaut, was Sie sonst so machen – Hubschrauber fliegen, Fallschirmspringen, Filme drehen und Sachen erfinden – ist das Schreiben eines Reiseführers eine ziemlich unspektakuläre Angelegenheit. Woher kommt für Sie der Kitzel, wenn Sie ein Buch wie „Panama Highlights“ oder „Costa Rica Highlights“ verfassen?
Neuland zu erforschen hat immer einen sehr großen Reiz, besonders wenn es sich um ferne und exotische Länder handelt. Fast genauso spannend ist es, den Wandel eines Landes über die Jahre und Jahrzehnte zu beobachten.
Wenn Sie sich einen Freiflug aussuchen könnten – welches Reiseziel würden Sie wählen – Panama oder Costa Rica?
Gute Frage! Ich würde einen Gabelflug wählen: Hin nach Panama City (Panama) und zurück ab San José (Costa Rica). Das habe ich schon mehrfach so gemacht. Zwischen den beiden Hauptstädten und auch zwischen Bocas del Toro (PA) und San José (CR) gibt es günstige Bus- und Flugverbindungen.
Wie haben Sie Costa Rica und Panama für sich entdeckt?
In Costa Rica war ich erstmals 1985 aus reiner Neugierde und Abenteuerlust. Nach Panama kam ich dann ein paar Jahre später, zunächst nur deshalb, weil sich mir als Hubschrauberpilot dort fliegerisch mehr Möglichkeiten boten.
Wie oft waren Sie dort?
Ich habe Costa Rica und Panama jeweils mehr als zwanzigmal bereist. Die Reisedauer lag meist bei fünf bis acht Wochen. Ich kenne mich also ganz gut aus.

© HELLER VERLAG
Was begeistert Sie an Panama?
… diese gewaltigen Kontraste: Die quirlige Metropole Panama Stadt mit ihrer imposanten Skyline, Bankenviertel, Hotels, Casinos und turbulentem Nachtleben erinnert an New York, Chicago und Las Vegas. Gleich am Stadtrand beginnt der Urwald und eine Tagestour auf dem Land- und Flussweg entfernt, leben die Emberá-Indios noch wie vor 500 Jahren, ohne Elektrizität, Handy und Fernseher. Sie laufen im Lendenschurz herum und pflegen ihre Traditionen. Ein weiteres Highlight ist der Panamakanal, ein atemberaubendes, technisches Meisterwerk!
Was wissen Sie über die Briefkastenfirmen, mit denen Panama in letzter Zeit in die Schlagzeilen geraten ist?
Vor allem eines: In ganz Panama gibt es keinen einzigen Briefkasten, in dem Sie z.B. eine Postkarte einwerfen könnten. Das ist doch ein echtes Kuriosum, oder?
Jetzt mal im Ernst: Die sogenannten „Briefkastenfirmen“, über die große Summen in Drittstaaten verschoben werden, betreffen ein paar hundert Superreiche und eine Handvoll Banker und Notare. Der normale Panameño hat damit ebenso wenig zu tun wie der Tourist.
Gibt es weitere Kuriositäten, die Ihnen während Ihren Reisen aufgefallen sind?
Ja! Ich habe mal eine Woche bei den Guna Indios auf den San Blas Inseln in Panama verbracht und in deren Stammessprache immer wieder ein Wort gehört, das mir bekannt vorkam. Irgendwann fand ich dann heraus, dass die Bedeutung identisch mit dem gleichen Wort in unserer Sprache ist. Es war das Wort „Arbeit“.
Welches sind für Sie die Reise-Highlights in Costa Rica?
Der größte Schatz Costa Ricas ist – neben seinen freundlichen Menschen – die überwältigende Natur, der Urwald, die exotischen Tiere und Pflanzen, die zahlreichen Vulkane und die abwechslungsreiche Landschaft. Nirgendwo sonst auf der Welt können Sie am gleichen Tag im Atlantik und im Pazifik baden und wenn Sie wollen auch noch an der Atlantikseite, also am Karibischen Meer, einen grandiosen Sonnenaufgang genießen und abends an der Pazifikseite bei einer Piña Colada zusehen, wie der rote Feuerball langsam im Meer versinkt.

© HELLER VERLAG
Zu welcher Jahreszeit sollte man am besten nach Panama oder Costa Rica reisen?
Die Hauptreisezeit liegt zwischen Anfang November und Ostern. Da regnet es im Allgemeinen in Mittelamerika am wenigsten und unser europäisches Wetter bietet meist mehr als einen Grund, in die Wärme zu fliehen. Aber wir haben auch schon – bedingt durch die Schulferien unserer Kinder – mitten im europäischen Sommer ganz Costa Rica bereist und es hat dort trotz Regenzeit – sie nennen es Green Season – kaum geregnet. In der Nebensaison von Mai bis Oktober sind Flüge und Unterkünfte meist deutlich günstiger.
Es gibt ja Menschen, die träumen von einem Urlaub mit viel Sonne und Entspannung. Andere träumen von Abenteuern. Für welchen Urlaubertyp sind Panama und Costa Rica die perfekten Reiseziele und weshalb?
Beide Länder sind zu schade für einen reinen Badeurlaub aber gut geeignet um eine Woche am Strand anzuhängen oder einzuschieben.
Panama lockt mit seiner Metropole, dem Kanal, historischen Forts und indigenen Kulturen.
In Costa Rica präsentiert sich die Natur noch intensiver. Ornithologen und Aktivurlauber wie Windsurfer, Mountainbiker und Bergwanderer finden im vulkanreichen Costa Rica noch mehr Betätigungsmöglichkeiten als in Panama.
In beiden Ländern gibt es kilometerlange, unberührte Sandstrände, herrliche Tauchgründe und Surfspots (damit meine ich nicht nur das Internet), Canopy- und Wildwassertouren sowie jede Menge Urwald mit exotischer Flora und Fauna.
Sind die Länder sicher für Europäer oder sollte man aufpassen?
Beides. Costa Rica und Panama sind relativ sichere Reiseländer, aber natürlich sollte man auch hier nicht mit Rolex oder Goldkettchen durch Armenviertel und den Strand entlang spazieren. Gewaltverbrechen sind eher selten, Trickbetrügereien häufiger, z.B. falsche Preisberechnung beim Abendessen oder eine provozierte Autopanne plus anschließendem Diebstahl des gesamten Leihwagens samt Inhalt durch „hilfsbereite“ Profis. Wie man sich davor schützt und auf was man achten muss, erklären wir in unseren Reiseführern sehr ausführlich.
Bitte beschreiben Sie ein bisschen die Menschen.
Sowohl die Costa Ricaner als auch die Panameños sind äußerst freundliche, hilfsbereite und liebenswerte Menschen mit einer Ausstrahlung, die einem das Herz aufgehen lässt. Die ethnische Zusammensetzung ist jedoch regional recht unterschiedlich.
Die Liebe zu einem Land geht immer auch durch den Magen. Welche Lieblingsgerichte locken in Costa Rica und Panama?
Die Basisnahrung der Costa Ricaner heißt Gallo Pinto, also „gesprenkelter Hahn“, eine Mischung aus Reis und schwarzen Bohnen, oft verfeinert mit Fleischwürfeln, Rührei und Gemüse. Dazu werden gebackene Bananenstücke serviert. In Panama findet man häufig kreolische sowie internationale Küche. In beiden Ländern wird reichlich Fisch und Fleisch gegessen, aber auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten. Preiswert und überall verfügbar sind Kokosnüsse, Bananen, Ananas, Papayas und viele andere tropische Früchte.
Für den Chat bitte einloggen