Jörg Steinleitner über Blutige Beichte. Interview | BUCHSZENE

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Jörg Steinleitner über Blutige Beichte. Interview | BUCHSZENE

14. Mai 2018 | Interview: Bernhard Berkmann | Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten


Ein Politikermord, eine Vergewaltigung und ein Einbruch. Und stets derselbe genetische Fingerabdruck. Passt das zusammen? Steinleitners „Blutige Beichte“ entstand in enger Zusammenarbeit mit dem LKA.


Blutige Beichte


Blutige Beichte – Der LKA-Präsident ermittelt - Jörg Steinleitner

Jörg Steinleitner

Blutige Beichte – Der LKA-Präsident ermittelt

ISBN 978-3-492-31135-9

336 Seiten | € 10,00

Piper

Jörg Steinleitner im Interview über seinen Krimi „Blutige Beichte – Der LKA-Präsident ermittelt“


Herr Steinleitner, in Ihrem Krimi „Blutige Beichte“ jagt der LKA-Chef und Polizeipräsident Karl Zimmerschied eine Phantomin, die mordend, einbrechend und vergewaltigend durch München zieht. Eines ihrer Opfer ist ein Landtagsabgeordneter, der mit einem Dönermesser auf offener Straße ermordet wird. Ein anderes Opfer ist eine Studentin, die vergewaltigt wird. Wie sind Sie auf diesen Plot gekommen?

Durch einen wahren Fall. Mein Buch ist ja in enger Zusammenarbeit mit dem echten Polizeipräsidenten und LKA-Chef Robert Heimberger entstanden. Bei meinen Recherchen bin ich dann auch auf den „Wattestäbchenfall“ gestoßen, der die Kripo deutschlandweit und über Jahre beschäftigt hat. Es handelte sich um eine Tatserie, deren Verbrechen von der Deliktsart überhaupt nicht zusammenpassten. Aber jedes Mal fand sich am Tatort dieselbe DNA-Spur. Dieser reale „Wattestäbchenfall“ hat mich so fasziniert, dass ich gesagt habe, daraus muss man einen Kriminalroman stricken.

Im echten „Wattestäbchenfall“ stellte sich heraus, dass die einzelnen Taten der Serie gar nicht von ein- und derselben Täterin begangen worden waren, sondern dass immer nur die DNA der Mitarbeiterin einer Firma für die Herstellung von Wattestäbchen an den Beweismitteln haften geblieben war. Dass also im Produktionsprozess ein Fehler passiert war. Wie ist das in „Blutige Beichte“?

Das kann ich Ihnen nicht verraten. Nur so viel: Bei mir ist die Lösung für das Rätsel, vor dem die Ermittler stehen, ein bisschen komplizierter. Aber Karl Zimmerschied findet die Lösung irgendwann – natürlich auch dank seines durchaus eigenwilligen Stils und der Mithilfe seiner DNA-Expertin Dr. Isabelle Augustin.

Titelbild Blutige Beichte Jörg Steinleitner

shutterstock @ igorstevanovic Bild-ID: 521221120

Ihr Krimi spielt vor allem in München. Allerdings lebt Polizeipräsident Karl Zimmerschied privat auf deinem Bauernhof auf dem Land. Und da steht eines Tages sein Freund, der Pfarrer vor der Tür und händigt ihm Handgranaten und ein Maschinengewehr aus, die ihm jemand in in einer IKEA-Tasche in den Beichtstuhl gestellt haben soll. Ehrlich gesagt, hört sich das ein klein wenig unglaubwürdig und konstruiert an.

Ha, von wegen! Vor einigen Jahren wurden die Sprengstoffexperten des Bayerischen Landeskriminalamts tatsächlich mal damit beauftragt, die Herkunft von Handgranaten und anderen Kriegswaffen, die in einem Beichtstuhl abgeladen worden waren, aufzuklären. Es kommt in der Realität immer wieder vor, dass irgendwo Kriegswaffen unbekannter Herkunft auftauchen. In „Blutige Beichte“ führen diese Waffen Karl Zimmerschied zu einer ziemlich erschreckenden Tat.

Das Besondere an Ihrer Hauptperson ist, dass es sich nicht um einen normalen Kommissar handelt, sondern um ein ziemlich hohes Tier im Polizeidienst.

Ja, Karl Zimmerschied ist Polizeipräsident und damit einer der höchsten Polizisten Bayerns bzw. Deutschlands.

Wie kamen Sie auf die Idee, so jemanden zu Ermittler zu machen?

Durch den echten Polizeipräsidenten und LKA-Chef Robert Heimberger. Ich habe vor einigen Jahren eine Lesung im Schießkeller des Landeskriminalamts gemacht. Da habe ich eine Szene aus meinem Anne-Loop-Krimi „Aufgedirndlt“ vorgelesen, in der ich mich über den Polizeipräsidenten von Oberbayern lustig mache. Nach der Lesung kam ein groß gewachsener Mann zu mir und sagte, dass ihm die Lesung gut gefallen habe, besonders die Szene, in der ich mich über den Polizeipräsidenten von Oberbayern lustig machte. Der Mann machte eine Pause. Dann sagte er: „Bis vor einem halben Jahr war ich nämlich der Polizeipräsident von Oberbayern. Jetzt leite ich das LKA.“ Ich dachte dann, dass man mich gleich festnimmt. Dem war aber nicht so. Die Leute vom LKA haben sehr viel Humor.

Das überrascht, wo im LKA doch ziemlich krasse Fälle landen.

Das hat mich auch gewundert. Aber es ist wirklich so: Sowohl die Polizisten als auch die Wissenschaftler, die im LKA arbeiten, haben alle eine sehr menschliche und viele auch eine sehr humorvolle Seite. Die LKA-Vizepräsidentin Petra Sandles hat mir mal gesagt, dass man ohne Humor die schlimmen Eindrücke, die diese Arbeit mit sich bringt, wohl nicht so gut verarbeiten könnte. „Sie glauben ja nicht, in welche Abgründe des Menschenlebens wir von der Kriminalpolizei Einblick bekommen“, hat sie damals gesagt. Da ist man vermutlich froh, wenn es auch mal was zu lachen gibt.

Ist Ihr Krimi nun eher ernst oder eher witzig?

Ich hoffe beides. Die Fälle, die ich mir ausgedacht habe, sind ernst und eng mit der Realität verknüpft. Auch meine Charaktere sind von der Realität inspiriert. So gibt es beispielsweise einen blinden Ermittler. Auf die Idee bin ich gekommen, weil ich im LKA einen jungen Mitarbeiter kennengelernt habe, der blind ist. Andererseits gibt es in „Blutige Beichte“ auch eine humoristische Ebene, bei der ich mit Mitteln der Satire und Übertreibung arbeite.

Zum Beispiel steht in „Blutige Beichte“ der Besuch des amerikanischen Präsidenten an.

Ja, und Karl Zimmerschied muss das Sicherheitskonzept für ihn entwickeln – und sich außerdem einen Event ausdenken, der „greater“ ist als Obamas Weißwurstfrühstück damals auf Schloss Elmau. Die Passagen mit dem US-Präsidenten musste ich allerdings gar nicht so viel überzeichnen, weil ja schon das echte Vorbild in seinem Verhalten so vollkommen überzogen ist, dass man das gar nicht erfinden könnte.

Ein bisschen Liebe gibt es in „Blutige Beichte“ auch.

Das stimmt. Und Eifersucht. Weil seine Frau sich nach Bali abgesetzt hat, verguckt sich der Polizeipräsident in eine wesentlich jüngere Mitarbeiterin: Dr. Isabelle Augustin ist die neue Leiterin des DNA-Labors im LKA und sie gefällt Karl Zimmerschied sehr gut. Vor allem, wenn sie ihre Blumensandalen trägt. Aber natürlich kann ein Polizeipräsident keine Affäre mit einer Mitarbeiterin anfangen.

Kann er nicht?

Na ja, da wollen wir jetzt nicht zu viel verraten. Karl Zimmerschied und Dr. Augustin finden einander jedenfalls attraktiv und trinken eines Nachts im Präsidentenbüro des LKA den Lieblingsdrink von Zimmerschied. Er mixt einen El Presidente. Das ist ein Rum haltiger Cocktail, den es wirklich gibt.

Zimmerschied mixt Drinks, er ist ein ehemaliger Boxer, und er führt neben seinem Job als LKA-Chef noch einen kleinen Bauernhof mit Hühnern, Schweinen und Kühen. Er ist ein Typ, der durchaus auf Frauen wirken könnte …

… klar könnte zwischen ihm und Dr. Augustin was laufen. Aber es darf halt nicht. Von Amts wegen. Aber was heißt das schon, wenn man so ein bisschen verknallt ist!

Das Hörbuch zu „Blutige Beichte“ hat Hans Jürgen Stockerl gelesen. Kennen Sie den Schauspieler persönlich?

Ja, das ist ein toller Mensch, wir saßen eben erst nach der Blutige-Beichte-Premiere im Münchner Volkstheater zusammen, und ich bin sehr dankbar, dass er meinem Text seine Stimme leiht. Hans Jürgen Stockerl hat ja schon in vielen bekannten Serien mitgespielt, u.a. in „München 7“, „Café Meineid“ oder „Soko 5113“. Er passt mit seinem warmen Timbre und seiner Fähigkeit, gerade auch die süddeutsche Tonlage perfekt zu treffen, hervorragend zu meinem Kriminalroman. Das ist ein Glücksfall.

Wird es einen zweiten Band mit Karl Zimmerschied geben?

Logisch. Ich habe gerade heute die Seite 224 vom Rohmanuskript geschrieben. Alles deutete darauf hin, dass es der LKA-Chef auch in seinem zweiten Fall mit einem rätselhaften Gegenspieler zu tun bekommt. Und auch hier gibt es wieder die Verbindung zu einem wahren Fall.

Jörg Steinleitner

1971 im Allgäu geboren, studierte Jörg Steinleitner Jura, Germanistik und Geschichte in München und Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien.


Zur Biografie von Jörg Steinleitner


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