
Mit Vollgas in die „besten Jahre“?
Woran denken wir bei einem Mann in den sogenannten besten Jahren: An einen topfitten, attraktiv ergrauten Mittfünfziger, der im Sportwagen mit der jungen Geliebten vorfährt? Wie wenig dieses Klischee mit der Realität zu tun hat, zeigt Autor Hans-Gerd Raeth. Seine Botschaft: Auch Männer kommen in die Jahre! Und: Lachen ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Denn Humor ist immer noch die beste Medizin.
Wenn das Leben plötzlich Freitag ist
Man merkt es an Kleinigkeiten: Ein erstes Tinder-Date, das überraschend früh endet. Ein Loch im Bart, das über Nacht auftaucht. Oder ein Arzt, der beiläufig erklärt, dass hormonelle Schwankungen im mittleren Alter nichts Ungewöhnliches sind.
Für Henri, den Protagonisten in „Wir Freitagsmänner – Wer wird denn gleich alt werden?“, häufen sich genau solche Momente. Sie lassen ihn spüren, dass eine neue Lebensphase begonnen hat. Wenn sein Leben eine Woche dauern würde, dann fühlt er sich, als wäre er am Freitag angekommen: Ohne die Freude aufs Wochenende, aber erschöpft und mit dem Stress der ganzen Woche im Gepäck – ein typischer „Freitagsmann“ eben.
Zwischen Dating-App und Andropause
Henri ist Mitte fünfzig, geschieden und versucht, sich im modernen Leben zurechtzufinden – inklusive Dating-Apps, Optimierungsversuchen seines Lebensstils und all den kleinen und größeren Selbstzweifeln, die mit dem Älterwerden einhergehen.
Schon beim ersten Date läuft vieles anders als geplant: Während Henri noch versucht, höflich Konversation zu machen, ist seine Verabredung in Gedanken längst bei jemand anderem – ihrem vermeintlichen „Perfect Match“. Solche Szenen sind typisch für den Ton des Romans: beobachtend, leicht ironisch und ganz nah dran an den Absurditäten des Alltags.
Midlife-Crisis: Sackgasse oder Startrampe?
Der Auslöser für Henris Misere ist eine Diagnose seines Arztes: Andropause – die männliche Variante der Wechseljahre. Was zunächst nach medizinischem Detail klingt, wird schnell zu einer größeren Frage: Was bleibt von den Plänen, die man einmal hatte? Und was kommt danach?
Während Henri versucht, sich neu zu orientieren, geraten auch die Menschen um ihn herum in Bewegung: Seine Ex-Frau plant einen Neuanfang, Beziehungen verschieben sich, neue Begegnungen entstehen. All das zwingt ihn dazu, über seinen eigenen Weg nachzudenken. Vielleicht bedeutet Älterwerden nicht nur Verlust, sondern auch die Chance, Entscheidungen noch einmal neu zu treffen.
Das geht uns alle an
„Wir Freitagsmänner“ kann als funkensprühende „Gebrauchsanweisung“ für den Mann in den besten Jahren gelesen werden. Doch noch viel besser ist der Roman für weibliche Leserinnen, die garantiert ihre (Schaden)Freude daran haben werden … Spaß macht er in jedem Fall. Und so manche Leserin wird ihn nach der Lektüre wohl augenzwinkernd weiterreichen – an ihren ganz persönlichen „Freitagsmann“.












