
Wenn das Leben plötzlich Freitag ist
Man merkt es manchmal an Kleinigkeiten: Ein erstes Tinder-Date, das überraschend früh endet. Ein Loch im Bart, das über Nacht auftaucht. Oder ein Arzt, der beiläufig erklärt, dass hormonelle Schwankungen im mittleren Alter nichts Ungewöhnliches sind. Für Henri, den Protagonisten in „Wir Freitagsmänner – Wer wird denn gleich alt werden?“, häufen sich genau solche Momente. Sie lassen ihn spüren, dass eine neue Lebensphase begonnen hat – auch wenn er noch nicht genau weiß, was er damit anfangen soll.
Zwischen Dating-App, Andropause und neuen Möglichkeiten
Hans-Gerd Raeth erzählt in seinem Roman von Männern, die irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft stehen. Henri ist Mitte fünfzig, geschieden und versucht, sich im modernen Leben zurechtzufinden – inklusive Dating-Apps, einem Umdenken beim eigenen Lebensstil und all den kleinen und größeren Selbstzweifeln, die mit dem Älterwerden einhergehen. Schon beim ersten Date läuft vieles anders als geplant: Während er noch versucht, höflich Konversation zu machen, schreibt seine Verabredung längst mit jemand anderem – ihrem vermeintlichen „Perfect Match“.
Solche Szenen sind typisch für den Ton des Romans: beobachtend, leicht ironisch und nah an den Absurditäten des Alltags. Henri stolpert durch Situationen, in denen man sich selbst leicht wiedererkennt – vom Arztbesuch wegen eines mysteriösen Bartlochs bis zu Gesprächen mit Freunden über die kleinen und größeren Fragen der Lebensmitte.
Ein Roman über Umbrüche in der Lebensmitte
Der Auslöser für Henris Grübeleien ist eine Diagnose seines Arztes: Andropause – die männliche Variante der Wechseljahre. Was zunächst nach medizinischem Detail klingt, wird schnell zu einer größeren Frage: Was bleibt von den Plänen, die man einmal hatte? Und was kommt danach?
In dieser Phase spielt auch Emily eine besondere Rolle. Sie arbeitet als Coach und hilft anderen Menschen dabei, ihr Leben neu zu sortieren – ausgerechnet sie wird für Henri zu einer wichtigen Gesprächspartnerin. Zwischen den beiden entsteht eine Nähe, die ihn dazu bringt, sich selbst und seine Gewohnheiten genauer anzusehen. Gleichzeitig wird ihm klar, dass ein Neuanfang nicht nur Mut, sondern auch Ehrlichkeit sich selbst gegenüber verlangt.Während Henri versucht, sich neu zu orientieren, geraten auch die Menschen um ihn herum in Bewegung: seine Ex-Frau plant einen Neuanfang, Beziehungen verschieben sich, neue Begegnungen entstehen. All das zwingt ihn dazu, über seinen eigenen Weg nachzudenken. Vielleicht bedeutet Älterwerden nicht nur Verlust, sondern auch die Chance, Entscheidungen noch einmal neu zu treffen.
Humorvolle Selbstbefragung
„Wir Freitagsmänner“ verbindet Beziehungsgeschichte, Freundschaftsroman und eine Portion Selbstironie. Raeth beobachtet seine Figuren mit einem Blick, der ihre Schwächen sichtbar macht, ohne sie bloßzustellen. Gerade dadurch entsteht eine Geschichte, die von Lebensmitte, Erwartungen und dem Mut handelt, den eigenen Kurs noch einmal zu ändern.











