
Herr Dr. Osthus, in Ihrem Buch „Herzenswunsch Brustvergrößerung“ erklären Sie alles, was frau wissen sollte, wenn sie mit dem Gedanken spielt, sich Ihre Brüste vergrößern zu lassen. Sie helfen in Ihrer Praxis vielen Frauen. Mit welchen Erwartungen kommen sie zu Ihnen?
Die Frauen kommen mit einem Wunsch zu mir. Der Hintergrund und der Wunsch an sich sind dabei immer subjektiv. Zum Beispiel legen sie auf eine professionelle, neutrale Meinung Wert, möchten mehr über die Brustvergrößerung erfahren, benötigen Hilfe bei der Entscheidungsfindung, wünschen sich eine Brustvergrößerung mit einem natürlichen, schönen Ergebnis, begutachten das Vertrauensverhältnis zum Operateur oder möchten sich die Ängste nehmen lassen.
Was sagen Sie: Ist nicht jede Frau, jeder Körper auf seine Art von Natur aus schön? Ist nicht Natürlichkeit die höchstmögliche Schönheit?
Schönheit ist sehr komplex und ganz individuell. So liegt sowohl die Schönheit als auch die Natürlichkeit vollkommen im Auge des Betrachters. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er für schön erachtet und was nicht. Und jeder muss für sich selbst entscheiden, wo bei ihm Natürlichkeit anfängt und wo aufhört. Strenggenommen kann bereits ein Friseurbesuch dagegensprechen. Diese Fragen muss man sich auch bei Berührungspunkten mit der plastischen Chirurgie stellen: Was ist eine Operation wert, was nicht. Ein Beispiel sind abstehende Ohren. Die innere Waage ist hier ein entscheidender Faktor. Auf der einen Seite der Leidensdruck und auf der anderen Seite die Risiken. Aber selbst hier, muss jeder selbst abwägen, ob er solch einen Eingriff machen lassen möchte oder nicht.
Aus welchen Gründen suchen Frauen Ihren Rat?
Primäre Motivation zur Brustvergrößerung sind Brüste, die nach der Schwangerschaft und Stillzeit kleiner geworden sind, hängen oder Asymmetrien entwickelt haben. Daneben gibt es die sekundäre Motivation, die den sekundären Nutzen widerspiegelt: BHs und Bikinis zu finden, die besser passen, lockerere Sexualität oder Kleider anzuziehen, die man anders tragen kann – auch mal solche mit einem tiefen Ausschnitt. Oft hören wir auch den Wunsch, mal ohne BH auszugehen, was ein selbstsichereres Auftreten zur Folge haben kann. Body Positivity ist hier das Stichwort! Sehr viele Frauen fühlen sich nach einer Brust-OP wohler in ihrer Haut.
Können Sie jeder Frau durch eine Brustvergrößerung zu einer schöneren Brust verhelfen?
Ich glaube, dass wir fast jeder Frau, die mit dem Wunsch nach einer Brustvergrößerung zu uns kommt, zu einer schöneren Brust verhelfen können. Entscheidend ist dabei aber auch die Ausgangssituation und damit verbunden die Grenzen des Machbaren zu erkennen und der Patientin aufzuzeigen – zum Beispiel Asymmetrien, die bleiben werden. Versinnbildlicht man die Brüste als Berge, passt das Sprichwort sehr gut, dass wir die Berge nicht versetzen können. Unser Ziel ist es, den Wünschen der Patientin im Rahmen des Möglichen nachzukommen und ein optimales Implantat zu finden. Ob es am Ende eine schöne Brust ist, liegt im Auge des Betrachters und damit natürlich auch in der Erwartung der Patientin. Aufgrund dessen ist es sehr wichtig, vorab die Erwartungshaltung herausfiltern. Kann man diese nicht erfüllen, sollte man nicht zusammenkommen.
Welchen Frauen legen Sie in jedem Fall eine Brustvergrößerung nahe?
Keiner Frau werde ich zu einer Brustvergrößerung raten. Die Entscheidung liegt bei jeder Patientin selbst. Denn man muss sich immer vor Augen halten, dass es ein Wunscheingriff ist. Deswegen muss die Frau im allerersten Schritt mit ihrem Wunsch zu mir in die Beratung kommen. Daraufhin kann ich einschätzen, ob eine Operation möglich ist und in welchem Rahmen. Die Entscheidung, ob sie die Brustvergrößerung haben möchte oder nicht, trifft die Patientin dann selbst. Wie der Buchtitel „Herzenswunsch Brustvergrößerung“ schon sagt, muss ein starker Wunsch da und der sekundäre Nutzen für die Frau erkennbar sein. Wichtig ist, dass sie über die Risiken aufgeklärt ist und diese in Kauf nehmen kann. Ich lege also nur dann eine Brustvergrößerung nahe, wenn alle Faktoren besprochen sind und die innere Waage dennoch zum Wunsch tendiert.
Gibt es Frauen, denen Sie abraten, ihre Brüste vergrößern zu lassen?
Ja, gibt es durchaus! Beispielsweise wenn die Frau aus meiner Sicht bereits sehr große Brüste hat. Ebenso bei den Frauen, bei denen die innere Waage noch nicht stark zur Brustvergrößerung ausschlägt oder noch ausgeprägte Zweifel bestehen, ferner nicht alle Fragen ausgeräumt sind, die Erwartungen über dem stehen, was zu erreichen ist, die in nächster Zeit eine Schwangerschaft planen oder die mich direkt nach einer Schwangerschaft aufsuchen, wenn die Brüste noch in einer Umformungsphase sind. Abraten würde ich auch Frauen von einer Brust-OP, wenn sie nicht kerngesund sind. Im Einzelfall muss man natürlich abwägen, welche Erkrankungen tolerabel sind.
Welche Fragen sollte eine Frau vorab für sich klären, ehe sie sich zu einer Brustvergrößerung entscheidet?
Wo stehe ich und wo will ich hin? Die Frau sollte ihre Brüste kennen. Das klingt erst einmal banal, ist es aber nicht. Denn Frauen, die mit ihren Brüsten unzufrieden sind, schauen sie sich in der Regel nicht besonders gerne im Detail an und sind dann verwundert, wenn ich auf Dinge hinweise, die ihnen vorher noch nie aufgefallen sind. Dabei geht es mir nicht darum, die Brust zu kritisieren, sondern diese Dinge aufzuzeigen. Vor allem, wenn sie durch eine Brustvergrößerung nicht zu verbessern sind. Damit verbunden ist natürlich auch die Frage: Wo will ich hin? Die Frauen sollten realistische Erwartungen haben. So sollten sie über alle Risiken Bescheid wissen und auch die Kosten stemmen können. Am besten ist, jede Frau macht sich eine Pro-Contra-Liste. Dabei geht es nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität. Jede Frage und jede Antwort können gewichtet werden. So befüllt die Patientin ihre interne Waage und kommt zu einem Schluss. Dass zuvor eine umfassende und gute Beratung mit dem Operateur stattfand, ist dabei die beste Voraussetzung. Zudem müssen Detailfragen zur Operation beantwortet werden: Welche Implantatgröße, welche Form, welche Oberfläche, welcher Zugang, wo soll das Implantat liegen, über oder unter dem großen Brustmuskel – wobei die Patientin nicht auf all diese Dinge Einfluss hat, denn hier gibt es auch Vorlieben des Operateurs. Hat man beispielsweise ein gewisses Implantat im Auge, beschränkt dies die Auswahl auf bestimmte plastische Chirurgen.
Können Sie bitte in einigen, einfachen Sätzen erklären, wie eine Brustvergrößerung bei Ihnen in der Traumklinik durchgeführt wird?
Am Operationstag selbst hat die Patientin noch mal die Möglichkeit, Fragen mit dem Operateur und dem Anästhesisten zu klären. Im Rahmen des Treffens mit dem Operateur erfolgen die für die Implantation notwendigen Anzeichnungen auf dem Brustkorb der Patientin. Kurz vor dem Eingriff finden im Patientenzimmer die Operationsvorbereitung durch das Anästhesie-Team statt, um die Zeit im Operationssaal möglichst kurz zu halten. Dort wird deshalb auch schon der Zugang für das Narkosemittel gelegt. Danach wird die Patientin in den Operationssaal geführt und bekommt die Medikamente, die sie schlafen lassen durch die Anästhesie. Bis die Patientin tief und fest schläft, dauert es nur wenige Minuten. Nach dem sterilen Abdecken kann die eigentliche Brustvergrößerung beginnen. In der Regel läuft diese bei uns wie folgt ab: Nach dem Hautschnitt wird mit speziellen Instrumenten eine Implantattasche über oder unter dem großen Brustmuskel gebildet – so wie es mit der Patientin abgesprochen wurde. Bei der Bildung der Implantattasche achten wir auf eine sehr schonende Operationstechnik und blutungsarme Durchführung. Sodass die Patientinnen nach dem Eingriff sehr beschwerdearm sind und auch keine Drainagen benötigen. Darüber hinaus dauert der Eingriff durch unsere besondere Operationstechnik nur knapp eine Stunde, sodass die Patientinnen schnell wieder fit sind.
Dann werden die Implantate eingesetzt?
Bevor die Implantate eingebracht werden, wird die Tasche noch mal auf absolute Blutfreiheit untersucht und gegebenenfalls Blutstillung ausgeführt. Im Abschluss erfolgt eine Spülung mit einer desinfizierenden Lösung und eine Nachspülung mit sterilem Wasser, bevor das Einbringen und Ausrichten der Implantate erfolgt. Bei uns werden die Patientinnen auch noch einmal aufgesetzt um die Lage der Implantate zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Eine ideale Positionierung ist wichtig, da die von uns verwendeten Implantate sehr positionsstabil sind und sich nicht verschieben. Deshalb brauchen unsere Patientinnen auch keinen Kompressionsgurt, den sogenannten „Stuttgarter Gürtel“.
Und was passiert dann?
Dann erfolgt der Wundverschluss in mehreren Schichten und das Aufbringen von Pflasterverbänden. Dies ist dann auch schon die Aufwachphase, vom Anästhesie-Team optimal gesteuert, sodass die Patientin mit dem Ende der Operation wach wird. Sie ist bestenfalls sogar so fit, dass sie mit Hilfe der Anästhesie zum Zimmer laufen und sich dort weiter ausruhen kann. Die meisten unserer Brustvergrößerungen werden ambulant durchgeführt – die Patientin verlässt uns noch am Tag nach der Operation. Erst drei Wochen später sehen wir uns zur Kontrolle und zum Abschneiden der Fadenenden des selbstauflösenden Nahtmaterials wieder. Telefonisch sind wir Ärzte aber jederzeit für unsere Patientinnen erreichbar.
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