
©Marvellino Mikail shutterstock-ID 1271592283
Ich bin ein spätberufener Schreiberling
Geschrieben habe ich in meinem Job schon immer viel. Und ich meine wirklich viel! Strafanzeigen, Ermittlungsberichte, Aktenvermerke, Durchsuchungs- und Haftanträge, Vernehmungen und vieles andere. Würde man alle Seiten, die ich beschriftet habe, aneinanderlegen, könnte man vermutlich Deutschland damit zupflastern. Glaube ich.
Durch einen befreundeten Staatsanwalt ermutigt, kam ich erst spät zum Schreiben. 2015 verfasste ich meinen ersten Thriller – „Projekt Goliath“, dessen Manuskript ich Bastei Lübbe unterbreitet hatte. Nach wochenlangem Hin und Her wurde von der Verlagsleitung die Veröffentlichung von Projekt Goliath, wegen des „heiklen Themas“, letztlich abgelehnt.
Geduld besitze ich leider nur rudimentär. Ich habe mich dann nicht weiter bemüht, das Manuskript anderen Verlagen anzubieten, weshalb ich mich fürs Selfpublishing entschieden hatte. 2016 erschien Projekt Goliath bei Books on Demand (Norderstedt), 2017 folgte Akte Kronos, welche beide über mehrere Wochen unter den BoD-Bestsellern waren.
Ich saß im Garten und hätte mich beinahe an meinem Kaffee verschluckt, als mich im Mai 2018 der Verlag Bastei Lübbe mit seinem Anruf überraschte. „Ob ich gerade an einem Manuskript arbeiten würde?“
Tatsächlich hatte ich zu dieser Zeit begonnen einen Psychothriller zu schreiben. Mehr als sechsunddreißig Seiten waren allerdings noch nicht fertig. Man gab sich mit dieser Leseprobe und einem schnell zusammengeschriebenen Exposé zufrieden, das ich via Mail sogleich auf den Weg gebracht hatte. Zwei Wochen später flatterte mir der Vertrag für „Dunkler Hass“ ins Haus. Ich glaube, dass ich mich erst ab diesem Zeitpunkt als Autor fühlte.
Worum geht’s in „Dunkler Hass“?
Ein Serienkiller verschleppt junge Frauen, die er grauenvoll verstümmelt und tötet. Hilfesuchend wendet sich Kommissar Marius Bannert an den bekannten Fallanalytiker Falk Hagedorn, der nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Gemeinsam tauchen die beiden Kriminalisten nach und nach in die Psyche des Täters ein. Doch als sie beginnen, seine Motivation zu erahnen, holt der Killer zum Gegenschlag aus – und ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Meine Arbeit ist tägliche Inspiration
Als Kriminalbeamter beim Kriminaldauerdienst bin ich jeden Tag aufs Neue mit dem Tod und den menschlichen Abgründen konfrontiert. Der KDD meines Standortes bearbeitet jährlich 500-600 Todesfälle (Todesursachenermittlungen). Obwohl ich längst aufgehört habe die Todesfälle zu zählen, die ich schon bearbeitet habe, ist meine Neugier bei jedem einzelnen Fall, der mir begegnet, ungebrochen. Manchmal ertappe ich mich bei der Frage, ob sich der eine oder andere Fall für eine Story eignen würde.
Die Inspiration zu „Dunkler Hass“
Tatsächlich hat mich ein reeller Fall, wie er sich vor einigen Jahren zugetragen hat, zu „Dunkler Hass“ inspiriert, wenngleich die Tat aus einer anderen Motivation verübt wurde. Während meines Studiums hatte ich im Fachbereich Psychologie die Gelegenheit ein Semester lang Vorlesungen zu „Sexuellen Devianzen“ zu besuchen. Einiges davon findet sich in „Dunkler Hass“ wieder. Aber lest selbst …
Ich mag Charaktere mit Ecken und Kanten
Manchmal gärt und reift eine Geschichte, ein Plot, wochenlang in meinem Kopf. Fast noch länger beschäftigen mich die handelnden Figuren. Vielschichtig sollen sie sein, interessant, unvorhersehbar, authentisch.
Ich finde es schade, wenn oftmals die Ermittler*innen als völlig kaputte Existenzen überzeichnet werden.

Für den Chat bitte einloggen