
© Gaby Gerster
Jörg Maurer im Interview – über seinen Jubiläums-Jennerwein „Am Abgrund lässt man gern den Vortritt“, Carpaccio vom menschlichen Hals, Totenscheine und die jodelnde Sennerin, die ihn täglich weckt.
Herr Maurer, laut dem Titel Ihres neuesten Hörbuchs lassen Sie „am Abgrund gern den Vortritt“. Meinen Sie, dass nach dieser Aussage noch irgendwer mit Ihnen eine Bergtour machen wird?
Das hat sowieso noch niemand getan. Das heißt: getan schon, aber man hat nichts mehr von ihm gehört. Das heißt: gehört schon, aber wie halt! Nämlich nicht im Feuilleton, sondern im Polizeibericht.
Es ist für Kommissar Jennerwein der zehnte Fall. Wie behält man da den Überblick?
Genau deshalb gibt es zu diesem Hörbuch-Jubiläum ein besonderes Schmankerl: eine Bonus-CD, mit der man ins gesamte Jennerwein-Universum eintauchen kann. Neben Ausschnitten aus den ersten neun Fällen lernt der Hörer den Kurort und seine besonderen Bewohner besser kennen. Und er erfährt so einiges über die Tücken beim Hörbuch-Einlesen.
Lassen Sie uns ein wenig auf die vergangenen Jahre blicken: Was hat sich durch Jennerwein in Ihrem Leben verändert?
Ich glaube, ich habe mich langsam aber sicher in Kommissar Jennerwein verwandelt. Letztens war ich zu einer Party eingeladen. Ich wurde misstrauisch beäugt. Der Gastgeber sagte: „Kommt Herr Maurer denn nicht?“
Sehen Sie die Welt eigentlich auch mit anderen Augen, seit Sie sich Kriminalgeschichten ausdenken? Wittern Sie hinter jeder Bargeldabhebung in der Kreissparkasse einen Schwarzgeldskandal und hinter jedem Parkspaziergänger, der sein Gesicht unter einem Regenschirm verbirgt, einen Serienmörder?
Ja, ich gehe seitdem ganz ungern im Park spazieren. Und eine Sparkasse besuche ich schon lange nicht mehr. Ich verstecke mein Geld in den Bergen, wie das Bestattungsunternehmerehepaar Grasegger.
Im Werdenfelser Land gehen Gerüchte um, Jörg Maurer sei mit wachsendem Erfolg etwas dekadent geworden. Stimmt es, dass Sie sich jeden Morgen von einer jodelnden Sennerin wecken lassen, damit Sie in Schreibstimmung kommen?
Aber Herr Steinleitner, wie reden Sie denn von meiner Frau!
Was inspiriert Sie beim Schreiben?
Krautspätzle, Richard Wagners Vorspiel zu Lohengrin, Gemälde von Botticelli, einige Stellen aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch, …
Und was inspiriert Sie beim Hörbuch-Einsprechen?
Wenn der Soundtechniker oder die Regisseurin lachen müssen. Dann weiß ich, dass ich den richtigen Ton getroffen habe.
Sie haben ja alle zehn Hörbücher selbst eingesprochen. Da wird es doch wohl eine Anekdote geben!
Na klar, gleich bei meinem ersten Hörbuch „Föhnlage“ bin ich voller Erwartung und gut gekleidet ins Studio gekommen. Nach ein paar Minuten meinte der Soundtechniker: „Da raschelts!“ Wir haben dann herausbekommen, dass es mein neues Hemd war, und mir blieb nichts anderes übrig, als die Aufnahme mit freiem Oberkörper zu beenden. Ich hoffe, man hört’s nicht.
Darf ich aus Ihrem neuesten Hörbuch zitieren: „In gleichförmigem Abstand von ein oder zwei Sekunden ertönte ein Tropfen und Schmatzen, es klang, als wenn jemand Quark auf den Boden pfefferte. Es waren jedoch nur die Plastikschlapfen von Hilfspfleger Benni Winternik, der mit seinem saftig klatschenden Fllapff! den Krankenhausgang herunterkam.“ Das klingt für mich so, als wäre das der Mörder! Ist das so?
Interessant! Sie verbinden Quark-Schmatz-Geräusche mit einem Mörder? Der kommt doch auf leisen Sohlen daher!
In „Am Abgrund lässt man gern den Vortritt“ möchte Jennerwein Urlaub machen. Am Zug, der ihn nach Schweden bringen soll, begegnet er einem Kollegen aus dem Allgäu. Verraten Sie uns, um welchen Kollegen es sich handelt?

Für den Chat bitte einloggen