Berühmt ist Henry David Thoreau vor allem wegen seines Hauptwerks „Walden“
Er war Harvard-Absolvent und Gärtner, Abenteurer und Landvermesser, Bleistiftproduzent und Schulmeister, Anstreicher und Vortragsreisender, Überlebenskünstler und Bergsteiger, Landwirt und Zimmermann, Tagelöhner und Schleifpapierhersteller. Er saß im Gefängnis, weil er sich weigerte Steuern zu bezahlen und riskierte sein Leben für die Freiheit von Sklaven. Bis heute zählt er – vor allem wegen seines Hauptwerks „Walden“ – zu den wichtigsten Schriftstellern der amerikanischen Literaturgeschichte. Am 12. Juli wäre er 200 Jahre alt geworden: Henry David Thoreau, dessen Leben und Werk seit kurzem von der sich nach Originalität und „back to nature“ sehnenden Hipster- und Vollbartträger-Fraktion wiederentdeckt wird. Anlässlich dieses Geburtstags hat der Schriftsteller, Kritiker und Essayist Frank Schäfer eine Biographie verfasst, die man allein schon wegen ihrer kunstvoll-natürlichen Covergestaltung unbedingt lesen möchte. Die Bilder im Buch aus der Frühzeit der Photographie sind übrigens auch sehr schön.Henry David Thoreau passt in keine Schublade
Allerdings stand Frank Schäfer mit der Abfassung dieser Biographie vor keiner leichten Aufgabe, denn Henry David Thoreau hinterließ eine gigantische Menge an Schriften – allein seine Tagebücher füllen Regale. Ordnung in diese unordentliche Lebensgeschichte zu bringen, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Henry David Thoreau passt in keine Schublade und sein Leben in kein Buch. So liest sich die Biographie zunächst auch eher wie ein wissenschaftlicher Aufsatz. Doch Seite für Seite findet Frank Schäfer zu einem geschmeidigeren Erzähl-Beat, erlaubt sich beim Formulieren mehr Freiheiten und schafft es schließlich den Leser mit Henry David Thoreaus unerhörter Lebensgeschichte in seinen Bann zu ziehen.Seine größte Angst galt dem Verlust der Freiheit
Es gelingt Frank Schäfer sehr gut, das Außergewöhnliche an Henry David Thoreaus Persönlichkeit herauszukehren: die Tatsache, dass er trotz eines Harvard-Abschlusses auf eine Karriere verzichtete und sich stattdessen in die Wälder schlug, um dort die Natur auf ganz praktische Weise zu entdecken und zu erleben; Henry David Thoreaus unglaublichen Freiheitsdrang; seine Bescheidenheit einerseits, die sich etwa darin äußerte, dass er sich für einfachste Arbeiten nicht zu schade war – und seine Überheblichkeit andererseits: Wieviele Angebote schlug er aus, weil im widerstrebte, Erwartungen zu erfüllen oder er fürchtete, von Menschen oder Institutionen in seiner Freiheit beschnitten zu werden. Freiheit, das war sein Lebensding.Henry David Thoreau war ein realistischer Träumer
Henry David Thoreaus Glaube an den eigenen, individuellen Weg, war unerschütterlich: „Wenn jemand vertrauensvoll in der Richtung seiner Träume vorwärtsschreitet und danach strebt, das Leben, das er sich einbildete, zu leben, so wird er Erfolge haben, von denen er sich in gewöhnlichen Stunden nichts träumen ließ.“ Der Waldgänger und Rebell war ein realistischer Träumer. So notiert er eines Weihnachtsabends in sein Tagebuch: „Es ist an der Zeit, dass ich anfange zu leben. Ich möchte so sein wie meine Wälder, und werde nicht eher ruhen, bis ich eure Unschuld erlangt habe.“„Walden“ ist ein zivilisationskritisches Pamphlet, eine Aussteigerfibel

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