
Ihre Nana-Plastiken erschließen sich erst im biographischen Kontext
Als hätten sich Fernando Botero mit seiner üppig-barocken Formensprache und Joan Miró mit seiner überbordenden Farbigkeit zusammengetan, um starke, bunte und voluminöse Frauenplastiken zu schaffen, auf die sie und wir mit großer Freude schauen. Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man zum ersten Mal einer Nana von Niki de Saint Phalle gegenübersteht. Allein – dem Künstlerduo hätte nicht nur der weibliche Blick und die sich nach außen wendende, feministische Introspektive der Künstlerin gefehlt. Denn Niki de Saint Phalles ab Mitte der 60er-Jahre scheinbar leicht zugängliches Werk – ihre Großplastiken lassen sich sogar betreten, erkunden und durchwandern – erschließt sich in seiner Gesamtheit erst im schmerzhaften biografischen Kontext von Kindheit, Jugend und deren künstlerischer Bewältigung.
Missbrauchserfahrungen als Kind – Kunst als Rettungsanker
Als die französisch-schweizerische Malerin und Bildhauerin am 21. Mai 2002 in San Diego, Kalifornien, stirbt, ist sie eine der bekanntesten Künstlerinnen der Moderne. Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle, genannt Niki, geboren am 29. Oktober 1930 bei Paris, verbringt den Großteil ihrer Jugend in den USA. Ihr Vater, der seine Tochter ab ihrem 11. Lebensjahr über mehrere Jahre sexuell missbrauchen wird, ist ein börsenkrachgeschädigter, französischer Börsenmakler, ihre Mutter ist Amerikanerin. Von 1936 bis 1945 besucht Niki eine Klosterschule in New York. Eine Erfahrung, die sie, zusammen mit dem Missbrauchsschock, über eine Therapie zur Kunst führen wird. „Ich umarmte die Kunst als Erlösung und Notwendigkeit“, wird sie später bekennen.
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