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Frau Bluhm liest „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“: 5 von 5 Blu(h)men

In ihrem letzten Schuljahr passiert etwas Seltsames mit Leni
Eigentlich müsste es eine aufregende Zeit für Leni sein: Es ist der erste Schultag ihres letzten Jahres vor dem Abitur. Eine Zeit vieler neuer Erfahrungen und Möglichkeiten, doch natürlich auch voller Wehmut und geprägt von ein wenig Zukunftsangst. Da sie schon immer der grüblerische Typ war, denkt sich niemand etwas dabei, dass Leni sich auf einmal intensiv Gedanken über ihr Leben macht. Weder ihre Eltern, noch ihre beste Freundin Emma, und am allerwenigsten Leni selbst.
Plötzlich befallen sie Übelkeit und Panikattacken
Doch was als in der Magengrube grummelnde Sorge beginnt, weitet sich schon kurze Zeit später zu echten Angstzuständen aus. Die sonst fröhliche Leni, wird immer öfter von Übelkeit und Panikattacken geplagt, für die es, von außen betrachtet, keine Erklärung gibt. Als die Phasen des Wohlbefindens immer kürzer werden, bittet Leni ihre Eltern um Hilfe. Eine nicht enden wollende Reihe von Arztbesuchen beginnt, doch findet keiner heraus, was Leni wirklich fehlt.
Irgendwann kommt die Diagnose: Leni hat eine Depression
Man rät ihr zu Stressabbau und Meditation, aber Lenis Zustand verschlechtert sich immer weiter. Bald schon ist sie nicht mehr dazu in der Lage, aus dem Haus zu gehen, und selbst die einfachsten Dinge werden zur Qual. Dann irgendwann die Diagnose: Depression. Für Lenis Umfeld ein Schock, für sie selbst ein Umstand, mit dem und an dem sie arbeiten will. Doch auch eine stationäre Therapie bringt nicht das gewünschte Ergebnis.
Leni lernt Matti kennen – er fühlt nichts; sie fühlt zu viel
In der Klinik lernt Leni den gleichaltrigen Matti kennen. Sein Problem: Eine genetisch vererbbare Krankheit, die sämtliche Schmerzrezeptoren lähmt. Lenis Seele fühlt zu viel und Mattis Körper kann nichts fühlen, doch sind es genau diese Unterschiede, die den beiden helfen, sich auf den Weg zu machen, ihre Krankheit zu bekämpfen.
Ava Reed beschreibt die Krankheit mit einfühlsamen Worten
„Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ ist nicht das erste Buch von Ava Reed, das ich lese, aber es ist bestimmt das intensivste und persönlichste. Die Frankfurter Autorin findet in diesem Roman unglaublich einfühlsame und wunderschöne Worte, um eine Krankheit zu beschreiben, die kaum in Worte zu fassen ist. Dass sie eigene Erfahrungen mit diesem Thema gemacht hat, ist auf jeder Seite deutlich zu spüren.
Dieser Roman macht definitiv Mut
In einem persönlichen Vorwort und auch in einem hinter der Geschichte abgedruckten Brief an ihre Leser*innen öffnet sich die Autorin ihren Zuhörern auf bewundernswerte Art und Weise, worin ich als große Möglichkeit sehe, dass jeder, der „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ liest und mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat, ein klein wenig Mut bekommt, sich intensiver mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen.
Es ist absurd, wie mit Depressionskranken umgegangen wird
Obwohl die Geschichte von Leni und Matti rein fiktiv ist, beschreibt Ava Reed dennoch den Kampf gegen eine Volkskrankheit, die leider nie als wirkliche Krankheit wahrgenommen wird. Einem Diabetiker würde man nie vorschlagen, sich mal zusammenzureißen, wenn ihm das Insulin im Blut fehlt, genauso wenig, wie man einem Menschen mit gebrochenem Bein sagen würde, dass bestimmt alles nicht so schlimm ist, wie er es sich ausmalt. Ein Knochenbruch wird mit einem Gips kuriert, der Diabetiker führt sich das Insulin eben künstlich zu. Problem gelöst.
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