
Poetische Texte und Illustrationen – dieser Gedichtband ist eine Verführung
Man vergisst in dieser schnelllebigen Zeit mitunter, wie wunderschön es sein kann, sich in einen Gedichtband zu vertiefen. Wer sich nach diesem Gefühl sehnt, für den hat Ulrich Maske ein Buch zusammengestellt, das im Hinblick sowohl auf seine Texte als auch auf seine kunstvollen Illustrationen von Franziska Harvey eine Verlockung darstellt.
„Ich flog mit den Schwalben“ ist ein Begleiter durchs ganze Jahr
Die Lyrik-Anthologie „Ich flog mit den Schwalben“ ist konzipiert als Begleiter durch das ganze Jahr. Jedes der etwa 170 Gedichte weist einen Bezug zu den Jahreszeiten auf. Wir beginnen im Januar und unternehmen dann einen poetischen Spaziergang durch die Monate, ihre Feier- und Gedenktage, ihre Feste, aber auch Naturerscheinungen. Auch politisch bedeutsame Tage wie der 8. März als feministischer Kampftag oder der 8. Mai als Ende des Zweiten Weltkriegs markieren Etappen dieser abwechslungsreichen Promenade durch die Lyrik. Das Ganze endet mit einem humorvollen Wink von Erich Kästners „Der dreizehnte Monat“ und dem Ausblick, dass es ja nach Weihnachten und Neujahr – zum Glück! – immer wieder von vorne losgeht.
Dem Gedichtband gelingen fließende Übergänge zwischen Jahreszeiten, Themen und Motiven
Selbstverständlich dürfen in einer jahresbegleitenden Auswahl das Wetter und die von ihm ausgelösten Gefühle nicht fehlen. Und so lesen wir zum Beispiel von der Sehnsucht im Winter nach dem Frühling oder von sich scheinbar ins Unendliche dehnenden Sommertagen. Eine der großen Stärken der Auswahl sind die fließenden Übergänge zwischen den Jahreszeiten und der mit ihnen verbundenen Themen und Motive, die ihm in dieser Zusammenstellung perfekt gelingen.
Wir begegnen Goethe ebenso wie Mascha Kaléko oder Marion Poschmann
Ebenso facettenreich wie die Gedichte sind ihre Schöpferinnen und Schöpfer: Der Band ermöglicht Begegnungen mit Dichterinnen und Dichtern ab dem 17. Jahrhundert. Er lädt ein zur Lektüre von Klassikern wie Goethe, Eichendorff und Fontane, aber auch einer Vielzahl dichtender Frauen des 20. Jahrhunderts wie Mascha Kaléko und Ingeborg Bachmann. Sogar Lyrikerinnen der Gegenwart wie Marion Poschmann, Ulla Hahn und Ilma Rakusa finden sich in diesem poetischen Panorama.
Fröhliches und Trauriges, Liebendes und Verliebtes, Politisches und Humoristisches
Die Stimmungen der Gedichte unterscheiden sich – wie unsere Stimmungen – im Jahresverlauf: Wir lesen Fröhliches und Trauriges, Sehnsuchtsvolles, Liebendes und Verliebtes, Politisches, Humoristisches und Nachdenkliches. Und selbstverständlich spielt die Natur in alldem eine große Rolle. Man spürt an der fein ausgewogenen Auswahl, dass es nicht der erste Gedichtband ist, den Ulrich Maske zusammengestellt hat. Wie schon sein „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst“ ist auch dieses Buch wirklich gelungen. Übrigens hat der Programmleiter des herausgebenden GOYA Verlags auch selbst einige Glanzstücke beigesteuert.
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