„Und mittendrin der Birnbaum“ – ein Dorf in dunklen Zeiten
Ein fehlender Stolperstein führt zurück in die Vergangenheit: In „Und mittendrin der Birnbaum“ erzählt Ute Mank von einer jüdischen Familie, dem Schicksal zweier Freundinnen und dem Umgang mit Schuld und Erinnerung.
Nach vielen Jahrzehnten kehrt Dora in ihren Heimatort Hausen zurück. Vieles hat sich verändert, doch manche Häuser erinnern sie noch immer an ihre Kindheit. Besonders das Fachwerkhaus, in dem einst ihre beste Freundin Fanny lebte, weckt Erinnerungen.
Als Dora vor dem Haus Stolpersteine entdeckt, fällt ihr etwas auf: Es sind nur vier. Doch eigentlich müssten es fünf sein. Der Stein für Fanny fehlt. Was ist damals mit ihrer Freundin geschehen, nachdem Dora das Dorf verlassen hatte?
Eine Dorfgemeinschaft zwischen Wissen und Wegschauen
Ute Mank verbindet in ihrem Roman „Und mittendrin der Birnbaum“ zwei Zeitebenen. Sie erzählt von der Freundschaft zweier Mädchen, die durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs auseinandergerissen werden, und von einer Dorfgemeinschaft, in der die Verfolgung jüdischer Menschen zum Alltag gehört.
Dabei richtet die Autorin den Blick besonders auf das Verhalten der Menschen im unmittelbaren Umfeld: Wer wusste von den Verbrechen? Wer sah weg? Und wer beteiligte sich?
Wenn die Vergangenheit neue Fragen aufwirft
Neben der betagten Dora spielt die 19-jährige Pina eine wichtige Rolle. Als Angehörige einer jüngeren Generation stellt sie andere Fragen an die Vergangenheit und begegnet Doras Erinnerungen mit einer eigenen Perspektive.
Und mittendrin der Birnbaum
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So entwickelt sich eine Geschichte über Verantwortung, familiäres Schweigen und die Schwierigkeit, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Zugleich geht es um Freundschaft, Menschlichkeit und Erlebnisse, die lange zurückliegen, deren Bedeutung jedoch bis in die Gegenwart reicht.
Für Ute Mank ist der Roman ein Projekt, das ihr sehr am Herzen liegt. Die Autorin hat sich über viele Jahre wissenschaftlich mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Eine Recherche zur Geschichte jüdischer Menschen in einem hessischen Dorf gab schließlich den Anstoß zu diesem Buch. Nun hat es eine geradezu brennende Aktualität.
„Und mittendrin der Birnbaum“ verbindet ein persönliches Schicksal mit der Frage, wie eine Gesellschaft an ihre Geschichte erinnert – und was geschieht, wenn Menschen aus dieser Erinnerung verschwinden.
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