
© Gunter Glücklich
„Wenn ich daran ziehe, dann haben wir hier innerhalb von vier Sekunden ein Schlachthaus.“
Die Themen, die Jussi Adler-Olsen sich für seinen neuen Thriller „Selfies“ ausgesucht hat, sind spannend: Zum einen geht es um die Kämpfe der Mitarbeiter eines Sozialamts mit ihren schwierigen „Kunden“ und um die Hassgefühle, die sich bei dieser Arbeit anhäufen können. Denn viele Sozialhilfeempfänger, so schildert es jedenfalls Jussi Adler-Olsen, würden lügen und betrügen, um an ihr Geld zu kommen und sich vor jeglicher Arbeitsmöglichkeit drücken. Ob dies wirklich so stimmt, wie der Bestsellerautor es in diesem siebten Carl-Mørck-Krimi schildert, mag an anderer Stelle diskutiert werden. Ein guter Thriller muss nicht hundertprozentig die Realität widerspiegeln und schon gar nicht political correct sein.„Sie würde verschwinden. Losfliegen und irgendwo auf der Welt ein neues Leben beginnen.“
Desweiteren behandelt Jussi Adler-Olsen eine alte Nazi-Geschichte, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart hineinreichen und über die an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden soll, weil sonst die Spannung verloren ginge. Schließlich rückt Carl Mørcks Teammitglied Rose in den Mittelpunkt der Handlung. Jussi Adler-Olsen beantwortet hier einige Fragen, die er in den Vorgängerbänden um das Kopenhagener Sonderdezernat Q aufgeworfen hat. Der Leser erfährt die Details von Roses schlimmer Vergangenheit. Nach diesem Band versteht man die bislang mitunter rätselhafte Rose und ihr zerrüttetes Seelenleben tatsächlich viel besser.„Sie liegt auf dem Kühler eines schwarzen Golfs und ist außerordentlich tot.“
Trotz dieser attraktiven Themen für einen Thriller, entsteht nicht der Spannungssog, den man von Jussi Adler-Olsen gewöhnt ist. Dies hat mehrere Gründe: Erstens hat man als Leser ein wenig Schwierigkeiten, den Überblick über all die Fälle zu bewahren. Es sind mindestens drei: zwei Morde, einer an einer Lehrerin und einer an einer alten Frau; außerdem eine Serientat, bei der Autos als Waffe gegen Frauen verwendet werden; und schließlich noch der „Fall Rose“, deren psychische Probleme das Sonderdezernat massiv beschäftigen. Zweitens holt Jussi Adler-Olsen manches Tatmotiv ganz schön weit her. Und drittens verknüpft er all diese Fälle miteinander, was der Glaubwürdigkeit nicht nur gut tut.„Von den 150.000 Kronen fehlte noch immer jede Spur.“
Selfies
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