
© R. Fastner
Frau Nussbaum, in Ihrem Buch „LMAA! – 66 Plädoyers für mehr Mut, Leichtigkeit und Gelassenheit“ geben Sie viele Impulse. Für wen haben Sie es geschrieben?
Dieses Buch ist für all die Menschen, die gerne mehr Leichtigkeit in ihrem Leben spüren möchten, die aber nicht den Mut haben, die Dinge so zu verändern, wie es gut für sie wäre, und es ist für all diejenigen, die einfach mehr Gelassenheit entwickeln wollen – und zwar von innen heraus, mit Überzeugung, mit einem guten Bauchgefühl und das für immer.
Für was steht bei Ihnen „LMAA“?
(Cordula Nussbaum lacht) Es steht für einen Ausdruck, den meine Generation gut kennt, die jüngeren Menschen häufig nicht. Er steht für „Leck mich am A …“ und das mit einer augenzwinkernden Haltung, einem Lächeln im Gesicht. Es soll den Leserinnen und Lesern Mut machen, einfach mal zu ein paar Anforderungen „Nein“ zu sagen, sich davon zu lösen, wie „man“ sein soll, was „man“ tun sollte und eine selbstbewusste Haltung zu entwickeln. Sie können es auch ausformulieren mit „Losmachen macht alles anders!“ im Sinne von: Lass los, was Dich klein macht. Lass los, was Dich schwächt.
Sie machen viele Coachings und Seminare mit Führungskräften und Mitarbeitern. Wo liegt bei den meisten Menschen das Hauptproblem mit dem Mut, der Leichtigkeit und Gelassenheit?
Vor einigen Jahrzehnten kamen die Erfolgsratgeber auf, von Gurus, die uns sagten, wie wir leben und handeln müssen, um glücklich und erfolgreich zu werden. Das geht damit los, was Du schon alles vor dem Frühstück tun musst – wie beispielsweise um 5 Uhr aufstehen, meditieren, warmes Wasser trinken – bis hin zu „Du musst ein Lebensziel haben, das in 5-Jahres-Pläne strukturieren und mit Deadlines und Milestones darauf hinarbeiten!“
Diese Tipps gehen aber an den Belangen vieler Menschen komplett vorbei.
Genau, weil sie einfach eher die kreativen Chaoten sind, und nicht die Systematiker, die sich von Listen und Plänen geknechtet fühlen. Und das ist das Hauptproblem der Führungskräfte und Mitarbeiter: Sie glauben, sie müssen einen bestimmten Weg gehen, sie müssen es auf eine bestimmte Art machen – sonst ist es wertlos. Sie folgen diesem „man muss“, was sie aber erschöpft, ihre Leichtigkeit nimmt. Mein Credo ist: es gibt nicht den Weg zum Erfolg – es gibt Deinen Weg. Und je besser wir wissen, was wir brauchen, um glücklich erfolgreich zu sein, desto besser. Lernen Sie sich also selbst besser kennen, beispielsweise mit dem Gratis-Selbstcheck „Chaot oder Systematiker“ unter www.kreative-chaoten.com/selbstchecks und holen Sie sich damit Tipps, die wirklich zu Ihnen passen. So arbeite ich mit meinen Klienten an individuellen und persönlichen Strategien, die deren Persönlichkeit voll einbeziehen. Und damit kommt automatisch die Leichtigkeit und die Gelassenheit zurück.
„Lass dich von der Liste streichen“ lautet einer Ihrer Tipps. Worauf wollen Sie dabei heraus?
In „LMAA“ erzähle ich viele Geschichten, teils selbstgeschriebene, teils Geschichten, die mich selbst geprägt haben. Sie spielen jetzt gerade auf die Geschichte der Tiere im Wald an, die Angst haben vor der Todesliste des Bären. Nach und nach sterben die ängstlichen Tiere – bis der Hase daher kommt, und eine ganz simple Frage stellt. Ich will den Ausgang der Geschichte jetzt gar nicht verraten, aber die Botschaft ist: Nimm Dinge nicht als „gegeben“ hin – nur weil es alle andere auch tun. Werde zum Gestalter Deines Lebens, das ist oft einfacher als wir denken.
Warum ist das „Ja, aber“ teuflisch?
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sitzen mit anderen Menschen beisammen, habe eine großartige Idee und erzählen den anderen davon. Was wird mit großer Wahrscheinlichkeit passieren? Die Kollegen fangen an mit „Ja, aber das geht doch nicht so einfach!“ Oder „Aber das haben wir noch nie gemacht!“ Oder „Aber wie willst Du das finanzieren?“ Welche Stimmung kommt jetzt auf?
Eine destruktive.
Ja, genau. Ein „Ja, aber“ zieht immer einen abwertenden, negativen Gedanken nach sich, und so „ja-abern“ wir uns die schönsten Ideen kaputt. Selbst, wenn wir mit uns selbst reden. Aus diesem Grund plädiere ich dafür das „Ja, aber“ aus unserem Wortschatz zu streichen und unsere Antworten mit „Ja, genau … und“ zu beginnen. Erfahrungsgemäß sprudeln dann die Ideen weiter und wir kommen auf richtig gute Sachen.
Und wieso sollen wir nicht jammern? Kann Jammern nicht auch mal befreiend sein?
Ja, es ist befreiend, sich mal den Frust von der Seele zu reden. Es ist auch wichtig, weinen zu dürfen, wenn es uns nicht gut geht. Was ich meine mit meinem Plädoyer Nummer 29 „Hör auf zu Jammern!“ ist allerdings dieses Jammern über Dinge, die ich nicht ändern kann oder nicht ändern will. Diese Dauerbrennerthemen wie das miese Wetter, das öde Kantinenessen, die blöde Geschäftsleitung, die doofen Kollegen, die nervige Software, der leidige Stau. Alleine während ich diese Worte zu Ihnen sage, merke ich, wie meine Stimmung mies wird. Ich ziehe Sie und mich mit den Worten herunter, mit dem Effekt, dass Sie jetzt vielleicht gleich, wenn Sie gehen, sich erstmal mühsam wieder in eine gute Laune bringen müssen. Wir haben wertvolle Minuten unseres Lebens damit verschwendet, über wertloses Zeugs zu reden. Und das heißt: Ja, nimm wahr, was Dich stört, nervt, ärgert. Reg Dich ruhig auch kurz auf – und dann frage Dich: will ich es ändern? Kann ich es ändern? Wenn zweimal ja – dann ändere was. Wenn „nein“ – dann spar Dir die Zeit zum Lamentieren und tue in der gesparten Zeit lieber etwas Schönes. Zum Beispiel ein gutes Buch lesen (lacht).
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