
E.T.A. Hoffmanns Geschichten werfen brandaktuelle Fragen auf
Er gehört zu den bekanntesten Schriftstellern der deutschen Literatur, insbesondere der Romantik. Seit über 200 Jahren zieht seine Faszination für das Unheimliche und Dunkle Leserinnen und Leser in ihren Bann. Seine finsteren und zugleich literarisch wertvollen Geschichten werfen spannende gesellschaftliche Fragen auf und bieten Einblicke in die menschliche Psyche, wie es wenige andere Texte vermögen. Im Januar 2026 würde E.T.A. Hoffmann 250 Jahre alt. Dieses Jubiläum ist der Anlass für diesen von Ulrike Möltgen kongenial illustrierten Band, der mit „Der Sandmann“ und „Der Magnetiseur“ zwei außergewöhnliche Erzählungen des Literaten vereint.
Es geht um Besessenheit und Gedankenkontrolle, Traum und Liebe
„Der Sandmann“ zählt zu E.T.A. Hoffmanns bekanntesten Werken, „Der Magnetiseur“ dagegen ist ein Stück zum Entdecken. Beiden Geschichten gemeinsam ist, dass sie von Wahn, Besessenheit und Gedankenkontrolle, von der Vermischung von Traum und Wirklichkeit, aber auch von Täuschung und Liebe handeln. E.T.A. Hoffmann erzählt sie packend und mit der für ihn typischen Note Grusel.
E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ kreist um eine unheimliche Figur
In „Der Sandmann“ begegnen wir Nathanael, der seit seiner Kindheit von der Angst vor einer unheimlichen Figur verfolgt wird – dem gruseligen Sandmann. Als Kind glaubte er, der Advokat Coppelius, ein Freund seines Vaters, sei der Sandmann. Dieser führte mit dem Vater geheime alchemistische Experimente durch. Bei einem dieser Experimente stirbt Nathanaels Vater, was Nathanael tief traumatisiert.
Die schöne Olimpia verdreht Nathanael den Kopf
Jahre später sieht Nathanael die Gestalt wieder und erneut steigen in ihm die Ängste auf. Parallel dazu verliebt er sich in die abgöttisch schöne Olimpia. Doch warum ist ihr Blick so leer? Warum sitzt sie nur herum und warum verhält sich so merkwürdig passiv? Obwohl ihm Olimpias verstörender Charakter auffällt, ignoriert Nathanael ihr seltsames Verhalten. Für ihn braucht sie keine Persönlichkeit – sie ist schön und hört gut zu, das reicht ihm.
„Der Sandmann“ ist ein prophetischer Text, auch über die Gegenwart
Damit ist Olimpia so ganz anders als Nathanaels Verlobte Clara, die ihm auch mal Widerworte gibt und wach ist und gebildet. Doch wie sich herausstellt, ist Olimpia eine mechanische Puppe, die Coppola nur benutzt, um Nathanael zu manipulieren. Und damit setzt E.T.A. Hoffmann auf ein Thema, das auch heute brandaktuell ist: Längst gibt es humanoide Roboter oder Software, die vermeintlich viele soziale Fähigkeiten beherrschen – bis hin zu KI-gesteuerten Gesprächen und Sex. Für Nathanael endet die Liebe zu der schönen Maschine dramatisch. „Der Sandmann“ ist einer der großen Klassiker der Literaturgeschichte, der dennoch berührt wegen seiner zeitlosen Qualität und Thematik.
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