
© Illustration: Matthew Johnstone, 2019 / Verlag Antje Kunstmann GmbH
Achtsamkeit ist die leise Kunst, Acht zu geben. |
Achtsamkeit ist Meditation, die auch ohne spirituelle Neigung funktioniert
Zahlreiche Studien haben erwiesen, dass Achtsamkeit einer der besten Wege ist, unseren Stress effektiv abzubauen. Möglicherweise ist es sogar das effektivste Werkzeug überhaupt, das wir ohne fremde Hilfe anwenden können, und es ist bereits seit Jahrhunderten erfolgreich in Gebrauch. Achtsamkeit ist eine Form der Meditation, doch Sie müssen keineswegs eine religiöse oder spirituelle Neigung haben, um sie anzuwenden und Nutzen daraus zu ziehen.
Achtsam sein können Sie beim Duschen, Gassigehen, Essen – eigentlich immer
In Achtsamkeit kann man sich auf viele Weisen üben. Daheim im Liegen oder auf Ihrem Lieblingsstuhl, am Schreibtisch im Büro oder draußen im Park während der Mittagspause. Es gibt unzählige Möglichkeiten. Das Ganze muss keine wirklich offizielle Übung mit Hinsetzen usw. sein. Achtsamkeit können Sie ganz ungezwungen während Ihrer tagtäglichen Verrichtungen praktizieren – beim Duschen, Zähneputzen, Kochen und Essen und sogar beim Gassigehen mit dem Hund. Für welche Variante Sie sich auch entscheiden, das Ziel ist, sich des Geplappers im Kopf bewusst zu werden und Ihre Aufmerksamkeit behutsam zum unmittelbaren Moment zurückzubringen (etwa Geruch, Textur und Geschmack des Apfels, den Sie gerade essen, wahrzunehmen).
Es geht um die bewusste Wahrnehmung Ihrer sämtlichen Sinne und des Körpers
Nehmen Sie für den Anfang irgendetwas, was Sie jeden Tag tun. Konzentrieren Sie sich darauf, als ob Sie diese Tätigkeit noch nie ausgeführt hätten oder als ob Sie diese einer Person aus einem fremden Kulturkreis oder gar von einem fremden Planeten zeigen würden. Nehmen Sie sämtliche Arbeitsschritte dieser Tätigkeit bewusst wahr – hierdurch aktivieren Sie wahrscheinlich die bewusste Wahrnehmung sämtlicher Sinne –, richten Sie aber Ihr besonderes Augenmerk auf Ihre Körperbewegungen. Übertreiben und verlangsamen Sie Ihre Bewegungen, damit Sie sich völlig in den Moment versenken.
| Achtsamkeit üben können Sie z. B. beim: |
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Ein einfaches Beispiel – wie Sie ohne Aufwand achtsames Duschen üben können
Wenden wir uns dem Beispiel Duschen zu, und zwar zunächst dem achtlosen Duschen: Dabei greifen wir verschlafen nach dem Wasserhahn und ziehen kurz darauf wegen des kalten Wassers den Arm gleich wieder weg. Wir werfen unseren Schlafanzug achtlos auf den Boden, nur um später mit nassen Füßen darauf herumzutrampeln, wenn wir nach dem Handtuch grapschen. Stehen wir schließlich unter der Dusche, sind wir uns des Wassers auf unserem Körper kaum bewusst, weil wir ständig vom Kampf mit dem Temperaturregler unterbrochen werden. Das eigentliche Duschen besteht dann aus planlosen, hektischen Handbewegungen von unterschiedlich starkem Druck überall auf dem Körper. Die ganze Zeit über springen Ihre Gedanken hin und her zwischen der Fernsehsendung des gestrigen Abends, der Einladung zum Abendessen Ihres unterstützungsbedürftigen Kumpels und wie Sie diese umgehen könnten, und der täglichen Denksportaufgabe, wie Sie Ihren verhassten Job behalten und dabei so wenig Energie wie möglich investieren. Den bevorstehenden Tag begrüßen Sie mit einem tiefen Seufzer.
Plötzlich bekommen jeder einzelne Handgriff, Vorgang und jedes Ergebnis Beachtung
Beim achtsamen Duschen hingegen schenken Sie jedem Handgriff, Vorgang und Ergebnis Beachtung. Bei der Bedienung des Wasserhahns nehmen Sie das Geräusch des Wassers wahr, wie es auf den Boden prasselt und in den Abfluss hineinfließt. Sie ziehen sich mit Bedacht aus und hängen Ihren Schlafanzug an einem Haken oder Handtuchhalter auf oder falten ihn ordentlich zusammen. Sie steigen in die Dusche und schließen Tür oder Vorhang hinter sich. Anschließend beobachten Sie die unterschiedliche Temperatur Ihrer Haut: der Partien, die sofort mit dem heißen Wasser in Berührung kommen, und derjenigen, bei denen das nicht der Fall ist. Als Nächstes geben Sie darauf acht, wie sich das Wasser auf Ihrem Kopf anfühlt, auf Gesicht, Schultern, Brust und Rücken, und wie es Ihnen an den Beinen hinabrinnt. Wieder nehmen Sie die Temperatur des Wassers wahr und seinen Druck auf Ihrer Haut. Sie beobachten, wie das Wasser an den Fliesen und dem Glas der Duschkabine abperlt. Sie sehen den Dampf aufsteigen. Sie achten völlig wertfrei auf den Geruch des Duschgels, wie es sich auf der Haut anfühlt und ob es sich an unterschiedlichen Körperstellen unterschiedlich anfühlt.



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