Christin, 27, schaffte es von der Hauptschule zum erfolgreichen Medizinstudium – ihr Glück aber fand sie woanders

Als sie auf die Hauptschule sollte, brach für Christin eine Welt zusammen. Aber sie strengte sich an und studierte Medizin. Doch ihre eigentliche Passion entdeckte die Alltagsfrau viel später: das Nähen!

Christin, 27, schaffte es von der Hauptschule zum erfolgreichen Medizinstudium – ihr Glück aber fand sie woanders

9. April 2019 | Redaktion

Christin Bergmann von Medizinstudentin zur Nähbloggerin

Christin hat ihr Kleid selbst genäht / Foto: © https://www.instagram.com/briclotfoto

Liebe Leserinnen,

ich heiße Christin und bin 27 Jahre alt. In der vierten Klasse entschied meine Grundschullehrerin mit meiner Mutter zusammen, dass für mich die Hauptschule die geeignetste Schulform für die Zukunft sei. Der Großteil meiner Mitschüler/innen wurde für das Gymnasium empfohlen und ich war die Einzige, die auf die Hauptschule musste. Für mich brach eine Welt zusammen und es entwickelte sich ein Gefühl aus Scham und Perspektivlosigkeit. Ich weiß noch ganz genau, wie ich heulend auf dem Sofa meiner Oma gesessen bin und ihr gesagt habe, dass ich später putzen gehen muss, weil aus mir nichts anderes werden würde. Ich ahnte schon als junges Mädchen, dass meine beruflichen Perspektiven mit einem Hauptschulabschluss nicht die besten sein würden. Zum ersten Mal habe ich erfahren, wie Menschen einen von oben herab anschauen und wie man sich als zweitklassiger Mensch fühlt. Im Nachhinein bin ich dankbar für diese unangenehmen Erfahrungen, da ich dadurch u.a. gelernt habe, gesellschaftliche Erwartungen (insbesondere gegenüber Frauen) zu hinterfragen. Schon früher habe ich mich gewundert, wieso die meisten pubertierenden Mädchen aus meiner Klasse sich die Augenbrauen so schmal wie ein Reiskorn zupften – es war eben gerade der aktuelle Schönheitstrend.

In der 5. Klasse habe ich mich dazu entschlossen, mein Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Und von dort an nahm die Geschichte ihren Lauf. Der Weg bis hierhin war steinig und stand auch einige Male gefährlich auf der Kippe. Aber letztendlich habe ich es von der Hauptschule zum erfolgreichen Abschluss meines Medizinstudiums geschafft – und das in der vorgegebenen Zeit bzw. man hätte es nicht schneller in Deutschland absolvieren können. Trotz dieses Erfolges war ich nicht wirklich glücklich in meinem Leben und ich wusste nicht, wieso. Ich hatte doch alles beruflich erreicht! Aber all meine Bemühungen waren für mich nicht greifbar. Vor gut drei Jahren aber fand ich die Lösung für mein Problem: Schon früher hatte ich Fliesenleger und andere Handwerker beneidet, weil sie am Ende des Tages ein Produkt sehen konnten und das Ergebnis ihrer körperlichen Anstrengung greifbar wurde. Sei es ein schönes, neu gefliestes Bad oder tapezierte Wände. Auch ich habe dank einiger glücklicher Zufälle meine Passion gefunden: Ich habe angefangen zu nähen. Zunächst habe ich mit einfachen Tragetaschen angefangen, heute nähe ich mir den Großteil meiner Garderobe selber. Es ist eine Art Meditation und Faszination für mich, weil ich sehe, was ich mit meinen Händen alles erschaffen kann.

Eine Powerfrau zu sein, reicht alleine nicht aus, um glücklich zu leben. Wir sind als Frauen häufig viel zu sehr darum bemüht, unserer Umgebung zu zeigen, dass wir nicht das schwächere Geschlecht sind. Erst wenn wir unsere eigene Passion finden, werden wir in unserem Leben ankommen.

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