Klüpfel & Kobr im Interview über "Kluftinger" 10 | BUCHSZENE

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Michael Kobr und Volker Klüpfel im Interview (Teil 1) – über das Kluftinger-Jubiläum und ihr neues Hörbuch

Klüpfel Kobr Kluftinger Band 10

© Hans Scherhaufer

27. April 2018 | Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten


Worum geht’s im zehnten „Kluftinger“? Was nervt Kobr an Klüpfel? Wird Klufti wirklich Opa? Welche Fehler verbergen sich in den 10 Kluftinger-Bänden? Das große Jubiläums-Interview mit Klüpfel und Kobr.


Herr Klüpfel, Herr Kobr – das zehnte Kluftinger-Hörbuch ist da. Wie feiert Klufti solche Anlässe?

Klüpfel: Gar nicht. Er hat ja keinen Grund dazu: Sein Leben wurde ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt, die Morde häufen sich – für ihn hat sich’s nicht so toll entwickelt. Bis auf sein Enkelkind vielleicht.

Und Sie beiden?

Klüpfel: Also wir haben … Moment, wenn ich’s genau bedenke, feiern auch wir nicht. Warum eigentlich nicht, Michi?
Kobr: Weil wir keine großen Feierer sind? Weil wir erst mal das letzte Buch feiern müssten und das letzte Hörbuch, und das davor, und das Ende unserer letzten Lesetournee und, und, und … Wir heben uns das auf und feiern unser zwanzigjähriges Jubiläum ganz, ganz groß …

Können Sie sich eigentlich noch ausstehen oder ist das bei Ihnen so wie bei alten Rockbands, wo man eigentlich nur noch für die Aufnahme im Studio und dann noch für die Tournee zusammenkommt – begleitet von einem Heer an Therapeuten und Bodyguards, die aufpassen, dass Sie sich nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen?

Klüpfel: Das geht ja nicht, oder es ginge nur, wenn wir einen Ghostwriter hätten. Kreativ zusammenarbeiten, Geschichten entwickeln, Hörbücher lesen, andere Projekte anstoßen – also dafür muss man sich schon mögen.
Kobr: Unsere Frauen sagen uns eher nach, wir seien wie ein altes Ehepaar …

Aber jetzt mal ehrlich, Herr Kobr – was nervt an Herrn Klüpfel am meisten?

Kobr: Unter uns – der Mann ist ein Wahnsinns-Streber. So einer der sagt: ‚Ja, ich hab die zwanzig Seiten gestern Abend noch schnell geschrieben …‘ oder ‚Ach, das hast du noch gar nicht angeschaut? Na ja, muss ja jeder selber wissen.‘ Er hat immer mindestens fünf Szenen Vorsprung, wenn wir an einem Buch arbeiten.

Und was geht Ihnen, Herr Klüpfel, an Herrn Kobr am meisten auf den Senkel?

Klüpfel: Dass er so indiskret ist, und die vorige Frage tatsächlich beantwortet hat.

Lassen Sie uns ein bisschen zurückblicken: Wie kam es damals dazu, dass Sie sich den ersten Band ausdachten – hatten Sie da schon einen Buch- und Hörbuchverlag oder haben Sie einfach mal drauflosgeschrieben, um zu sehen, was passiert?

Kobr: Als allererstes gab es die Idee, mal zusammen ein Buch zu schreiben, dann hab ich zwei Seiten geschrieben, eigentlich den Anfang von „Milchgeld“, das Volker geschickt und das Ganze verschwand in der Schublade. Volker wurde dann von unserem ersten Verleger, einem Ein-Mann-Betrieb in Memmingen kontaktiert, ob er als Lokalredakteur denn wisse, wer einen Allgäu-Krimi geschrieben habe oder schreiben könne. Und dann kam uns wieder diese erste Idee in den Kopf, doch mal zusammen ein Buch zu schreiben …

Haben Sie sich damals gestritten, wie der Kommissar genau sein muss oder waren Sie sich da einig? Gab es für Kluftinger ein Vorbild?

Klüpfel: Nein, ja und nein. Über den Kommissar gab es schnell Einigkeit und er ist nicht mal mit realen Menschen verwandt. Wir haben uns schon manchmal bei existierenden Vorbildern bedient, aber Kluftinger ist und bleibt eine jungfräuliche Geburt – oder ist das jetzt ein schiefes Bild?
Kobr: Besser das als das Gegenteil …

Kluftinger Hörprobe 1

Foto: © Hans Scherhaufer

Was machen Sie heute, wenn Sie sich beim Schreiben über eine Sache nicht einig sind?

Kobr: Volker das Gefühl geben, er habe Recht und man gebe nach und ihm stattdessen die eigene Meinung als die seine verkaufen.
Klüpfel: Streiten, bis Michi nachgibt.

Haben Sie in den ersten Bänden „Fehler“ gemacht, die Ihnen heute nicht mehr unterlaufen würden?

Klüpfel: Au weh, die Fehler, die verfolgen uns bis in die Gegenwart. Etwa Erikas Mutter, die im ersten Buch schon beerdigt wurde und in „Grimmbart“ viele Jahre später wieder aufersteht. Aber in Zeiten, in denen Zombiefilme fröhliche Urständ feiern, passt das vielleicht besonders gut. Zum Glück haben wir Leser, die uns auf jeden Fehler aufmerksam machen. Naja, fast jeden, alle haben sie noch nicht gefunden.
Kobr: Meinst du, dass zum Beispiel in „Milchgeld“ die Rede von Kluftingers Schwägerin ist, obwohl weder er noch seine Frau Geschwister haben? Upps, verraten!

In all den Folgen muss Kluftinger ja einiges erleiden – Dr. Langhammer quält ihn, er muss sich mit einer japanischen Schwiegertochter arrangieren oder an einem Tanzkurs teilnehmen und er bekommt sogar gesundheitliche Probleme. Kann man sagen, dass die Schicksalsschläge, die Kluftinger erleidet, seinen Charakter verändert haben in den zehn Bänden?

Kobr: Auf jeden Fall. Wichtig ist bei so einer langen Reihe ja, dass sich der Charakter einer Figur entwickelt und nicht stehen bleibt. Und seine Schicksalsschläge, die oft auch mit Doktor Langhammer zu tun hatten, haben ihn langmütiger und auch ein wenig vorsichtiger gemacht. Das Schlimmste ist, wenn das Serienpersonal statisch bleibt und etwa die Kinder des Kommissars seit zwanzig Jahren in dieselbe Schule gehen und immer noch keinen Abschluss haben. Da zweifelt man schon ein wenig an deren Begabung. Oder am Schulsystem.

Das zehnte Kluftinger Hörbuch nun heißt schlicht „Kluftinger“. Wie sind Sie auf diesen überraschenden Titel gekommen?

Kobr: Nun, wir hatten sonst ja immer zusammengesetzte Hauptwörter als Titel, aber die sind mittlerweile alle für Regionalkrimis anderer Autoren auf dem Buchmarkt verwendet worden. Nur „Granatenseckl“ und „Riesendepp“ wären noch übrig, da passt „Kluftinger“ doch besser. Ach ja, und dass es das persönlichste aller Bücher für unseren Kommissar ist, da es erklärt, wie er wurde, was er ist, Licht in seine Vergangenheit bringt, war auch noch Grund, den Titel zu wählen.

Kluftinger wird während der Ermittlungen zu seinem zehnten Fall Opa. Kann er denn mit Babys?

Kobr: Er ist jetzt noch nicht wahnsinnig routiniert im Umgang mit den Kleinen, weil er sich bei seinem eigenen Sohn damals erfolgreich um vieles gedrückt hat. Damals war das für Väter ja noch möglich. Aber von einem modernen Opa wird so einiges erwartet – und Klufti nimmt die Herausforderung tapfer an.

Wie tröstet Kluftinger ein weinendes Kind?

Klüpfel: Das haben wir uns auch gefragt – und der Antwort im Buch ein komplettes Kapitel gewidmet, in dem Kluftinger ungewollt zum Babysitter wird.

Kluftinger muss im zehnten Band auch mal wieder auf sein geliebtes Auto – einen Passat – verzichten, weil seine Frau ihn an den Sohn verliehen hat. Sie als Starautoren fahren vermutlich Tesla?

Kobr: Sagen wir so, mein Umfeld behauptet gern, mein Fuhrpark sei ein wenig unübersichtlich geworden in den letzten Jahren, was möglicherweise zutreffen könnte. Hauptfahrzeug ist jedoch derzeit ein VW-Bus.
Klüpfel: Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so genau, mit welchem Auto mich der Chauffeur morgens abholt. Ich achte da nicht so auf die Details.

Kluftinger Hörprobe 2

Foto: © Hans Scherhaufer

Ihr neues Hörbuch lesen Sie gemeinsam mit dem Schauspieler Christian Berkel. Wie ist die Atmosphäre im Studio, wenn Sie so ein Hörbuch aufnehmen?

Klüpfel: Sehr locker, entspannt, aber auch konzentriert. Christian ist nicht nur ein toller Schauspieler, er liest auch zum Niederknien gut. Das spornt an.
Kobr: Bloß die Luft ist unglaublich schlecht jedes Mal. Zum Schneiden! Da sollte man sich besser nicht niederknien, sonst steht man nimmer auf! Vielleicht sollte es doch nicht immer bloß Döner als Catering geben.

Herr Klüpfel, hat der Herr Kobr beim Hörbuchsprechen irgendwelche Marotten?

Klüpfel: Hm, keine die mir aufgefallen wären, aber ich hab da immer so viel mit mir selbst zu tun, dass ich darauf nicht achten kann. Aber sicher hat er die, mindestens alle, die er im richtigen Leben auch hat.

Herr Kobr, da sollten Sie jetzt eigentlich kontern!

Kobr: Nachdem er sich so fein zurückgehalten hat, bette auch ich den Mantel des Schweigens über Volkers permanentes … ach, egal.

Wie viele Kluftinger-Krimis wird es noch geben?

Klüpfel: Sie versuchen es immer wieder, oder?
Kobr: Geht ja zu wie bei Markus Lanz hier!

Und was machen Sie jetzt gleich noch – nach diesem Gespräch?

Klüpfel: Ich werde meinem Chauffeur sagen: Fahren Sie mich irgendwohin, wo es schön ist. Mal sehen, wo ich lande.
Kobr: Ich werde flugs meinen Fuhrpark abstauben und die Auffahrt harken lassen. Volker und sein Chauffeur kommen anscheinend gleich bei mir vorbei!


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Volker Klüpfel und Michael Kobr
Volker Klüpfel und Michael Kobr

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Zur Biografie von Volker Klüpfel und Michael Kobr

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Volker Klüpfel und Michael Kobr
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