Franka Potente

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Franka Potente

3. März 2014 | Interview: Jörg Steinleitner | Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten


Ein Gespräch mit Franka Potente über ihre Wahrnehmung Japans.

 

Jörg Steinleitner:  Frau Potente, Ihr literarisches Debüt, das jetzt auch als von Ihnen gelesenes Hörbuch vorliegt, besteht aus zehn Geschichten, die allesamt in Japan spielen. Sie wuchsen in Dülmen auf, wurden in Deutschland als „Lola rennt“ bekannt und spielten in Hollywood an der Seite von Johnny Depp. Was inspirierte Sie zu Japan als Schauplatz?

Franka Potente:  Diverse Reisen nach Tokio und Kyoto waren bestimmt der Anlass. Danach habe ich viel von Japan geträumt, vieles hat sich in mein Unterbewusstsein gegraben. Ich hatte richtig Sehnsucht nach Japan und wollte davon erzählen wie ich die Menschen „gefühlt“ wahrgenommen habe.

Jörg Steinleitner:  Ihre Kurzgeschichten sind mal melancholisch, mal heiter, mal leidenschaftlich, aber meist leise. Ist Japan denn ein leises Land?

Franka Potente:  Ich finde Japan ein leises und zugleich kakophonisch lautes Land. Zurückgenommenheit und Stille existieren neben lauter Werbung, die auf der Straße über Lautsprecher die Menschen beschallt, dazwischen mischen sich Autolärm und Menschenchaos. Draußen, auf der Straße, ist Japan eher laut, im Privaten leise.

Jörg Steinleitner:  In Ihrer ersten Geschichte schickt der Kunde einer Fächermacherin einen Fächer zurück, den er bezahlt hat. Die Fächermacherin hatte ihm erzählt, dass der Fächer ihr viel bedeute, mit Erinnerungen behaftet sei. Sind Sie eigentlich ein romantischer Mensch?

Franka Potente:  Ja, bestimmt. Aber nicht im „kitschigen“ Sinne.

Jörg Steinleitner:  Inwiefern ist Japan für romantische Menschen entdeckenswert?

Franka Potente:  Ich bin mir nicht sicher was Sie genau mit „romantisch“ meinen. Ich würde es „offen für Poesie“ nennen. In Japan gibt es viele ganz zarte, verspielte Ebenen, schöne Rituale und Musik, die einen verzaubern können. Ob Japan per se ein romantisches Land ist, weiß ich nicht.

Jörg Steinleitner:  „Es ist nicht an dem Künstler, auf seine Kunst hinzuweisen“, sagt die Fächermacherin. Wie sehen Sie das – droht der Künstler nicht zu verhungern, wenn er diesen edlen Rat befolgt?

Franka Potente:  Wenn die Japanerin das sagt, hat das mit Stolz zu tun. Nicht damit, ob sie verhungert oder nicht. Ich glaube, es ist immer so, dass es bescheidenere, leise Menschen schwerer haben, ja.

Jörg Steinleitner:  In einer anderen Story gerät ein japanischer Mann in die Fänge einer heißblütigen blonden Schwedin. Der Schlusssatz lautet: „Er hatte sich übernommen.“ Sind die Unterschiede zwischen der europäischen Art zu lieben und der japanischen wirklich so groß?

Franka Potente:  Japaner haben ein völlig anderes Verständnis von Nähe und Intimität, körperlich wie auch intellektuell. Es ist auch wichtig, die „Ordnung“ im Leben und in der Arbeit zu wahren und sich nicht den Kopf verdrehen zu lassen. Ich denke, das ist bei uns schon etwas anders. Vielleicht wird bei uns zunächst alles etwas leichter genommen.

Jörg Steinleitner:  Auch dem Tod haben Sie eine Geschichte gewidmet. An deren Ende nimmt sich ein alter Mann – Herr Masamori – aus freien Stücken und scheinbar zufrieden das Leben. Wieder haben Sie eindrucksvolle Schlusssätze gewählt: „Das Leben endete. Die Reise begann.“ Was glauben Sie, was nach dem Leben kommt – eine Reise?

Franka Potente:  Das weiß ich nicht. Herr Masamori glaubt es.

Jörg Steinleitner:  Frau Potente, vielen Dank für das Gespräch.

Franka Potente

Ihre Rolle in ‚Lola rennt’ machte sie schlagartig weltberühmt. Seither gehört Franka Potente zu den international gefragtesten deutschen Schauspielerinnen. Sie war u.a. in ‚Die Bourne Identität’ und in der Verfilmung…
Zur Biografie von Franka Potente

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