Der deutsche Buchpreis 2019. Die Shortlist | BUCHSZENE

Wer gewinnt den Deutschen Buchpreis 2019? Die Jury hat am 19. September die Shortlist festgelegt. Wir präsentieren die Kandidaten für die Finalrunde.

Die sechs Finalisten des Deutschen Buchpreises 2019 stehen fest

10. Oktober 2019 | Redaktion

Titelbild Shortlist Deutscher Buchpreis 2019

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Die Shortlist für den besten deutschsprachigen Roman

Am 19. September hat die Jury des Deutschen Buchpreises aus der 20 Titel umfassenden Longlist sechs Werke nominiert. Auf der sogenannten Shortlist stehen folgende Romane:

· Raphaela Edelbauer, Das flüssige Land (Klett-Cotta, August 2019)
· Miku Sophie Kühmel, Kintsugi (S. Fischer, August 2019)
· Tonio Schachinger, Nicht wie ihr (Kremayr & Scheriau, August 2019)
· Norbert Scheuer, Winterbienen (C.H.Beck, Juli 2019)
· Saša Stanišić, Herkunft (Luchterhand, März 2019)
· Jackie Thomae, Brüder (Hanser Berlin, August 2019)

Die Gewinnerin bzw. der Gewinner wird bei der Preisverleihung am 14. Oktober 2019 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers bekannt gegeben.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels prämiert mit dem Deutschen Buchpreis zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse jedes Jahr den besten deutschsprachigen Roman. Der Autor des Siegertitels erhält eine Prämie in Höhe von 25.000 Euro. 

Die Shortlist des Deutschen Buchpreis 2019

Beitragsbilder Buchpreis 2019 Shortlist

I Raphaela Edelbauer, Das flüssige Land (Klett-Cotta)

„Raphaela Edelbauer überschreitet Grenzen und rückt in unerforschte Gebiete der Literatur vor“, befand bereits die Jury des Rauriser Literaturpreises über die Autorin. Im Mittelpunkt von „Das flüssige Land“ steht ein Ort, der nicht gefunden werden will. Außerdem eine österreichische Gräfin, die über die Erinnerungen einer ganzen Gemeinde regiert. Und ein Loch im Erdreich, das die Bewohner in die Tiefe zu reißen droht. In ihrem schwindelerregenden Debütroman geht Raphaela Edelbauer der verdrängten Geschichte auf den Grund. Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die Wiener Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung: Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch und seine wechselhafte Historie, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist. Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? Je tiefer sie in die Verwicklungen Groß-Einlands zur Zeit des Nationalsozialismus eindringt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Doch sie gräbt weiter und ahnt bald, dass die geheimnisvollen Strukturen im Ort ohne die Geschichte des Loches nicht zu entschlüsseln sind. Hier bestellen

II Miku Sophie Kühmel, Kintsugi (S. Fischer)

Kintsugi ist das japanische Kunsthandwerk, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Diese Tradition lehrt, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist, sondern im guten Umgang mit den Brüchen und Versehrtheiten. Es ist Wochenende. Wir sind in einem Haus an einem spätwinterlichen See, das Licht ist hart, die Luft ist schneidend kalt, der gefrorene Boden knirscht unter unseren Füßen. Gerade sind Reik und Max angekommen, sie feiern ihre Liebe, die nun zwanzig ist. Eingeladen sind nur ihr ältester Freund Tonio und seine Tochter Pega, so alt wie die Beziehung von Max und Reik. Sie planen ein ruhiges Wochenende. Doch ruhig bleibt nur der See. ‚Kintsugi‘ ist ein flimmernder Roman über die Liebe in all ihren Facetten. Über den Trost, den wir im Unvollkommenen finden. Und darüber, dass es weitergeht. Wie immer geht es weiter. Hier bestellen

III Tonio Schachinger, Nicht wie ihr (Kremayr & Scheriau)

Ivo wusste immer schon, dass er besonders ist. Besonders cool, besonders talentiert, besonders attraktiv. Alle wussten es, seine Familie, seine Jugendtrainer, seine Freunde im Käfig. Jetzt ist er einer der bestbezahlten Fußballer der Welt. Er verdient 100.000 Euro in der Woche, fährt einen Bugatti, hat eine Ehefrau und zwei Kinder, die er über alles liebt. Doch als seine Jugendliebe Mirna ins Spiel kommt, gerät das sichere Gerüst ins Wanken. Wie koordiniert man eine Affäre, wenn man eigentlich keine Freizeit hat? Lässt Ivos Leistung auf dem Spielfeld nach? Und was macht eigentlich seine Frau, während er nicht da ist? Einmal in Ivos Gedankenwelt eingetaucht, lässt sich Tonio Schachingers Debütroman schwer aus der Hand legen. Es ist nämlich dieser rotzige, witzige und originelle Ton des Erzählers, der vom ersten Satz an fesselt. Gespickt mit Wiener Milieusprache und herrlichen Fußballmetaphern gibt der Roman Einblick in das Schauspiel des Profisports und entlarvt seine Spieler als Schachfiguren auf einem kapitalistischen Spielfeld. „Als Ivo jung war, gab es nur einen Ort: ihn selbst. Alles andere, der Fußball, Brügge, London, Hamburg, die Clubs, Autos und Restaurants, waren nur Kulissen, die hinter ihm vorbeigetragen wurden, aber er war der Mittelpunkt, die Sonne, um die sich alles dreht.“ Hier bestellen

 

Beitragsbilder Buchpreis 2019 Shortlist 2

IV Norbert Scheuer, Winterbienen (C.H.Beck)

Januar 1944. Egidius Arimond, ein frühzeitig aus dem Schuldienst entlassener Latein- und Geschichtslehrer, schwebt wegen seiner Frauengeschichten, seiner Epilepsie, aber vor allem wegen seiner waghalsigen Versuche, Juden in präparierten Bienenstöcken ins besetzte Belgien zu retten, in höchster Gefahr. Gleichzeitig kreisen über der Eifel britische und amerikanische Bomber. Arimonds Situation wird nahezu ausweglos, als er keine Medikamente mehr bekommt, er ein Verhältnis mit der Frau des Kreisleiters beginnt und schließlich bei der Gestapo denunziert wird. Mit großer Intensität erzählt Norbert Scheuer in „Winterbienen“ einfühlsam, präzise und spannend von einer Welt, die geprägt ist von Zerstörung und dem Wunsch nach einer friedlichen Zukunft. Hier bestellen

V Saša Stanišić, Herkunft (Luchterhand)

„Herkunft“ ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt. „Herkunft“ ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh. „Herkunft“ ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. „Herkunft“ ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist. Hier bestellen

VI Jackie Thomae, Brüder (Hanser Berlin)

Zwei Männer. Zwei Möglichkeiten. Zwei Leben. Jackie Thomae stellt die Frage, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind. Mick, ein charmanter Hasardeur, lebt ein Leben auf dem Beifahrersitz, frei von Verbindlichkeiten. Und er hat Glück – bis ihn die Frau verlässt, die er jahrelang betrogen hat. Gabriel, der seine Eltern nie gekannt hat, ist frei, aus sich zu machen, was er will: einen erfolgreichen Architekten, einen eingefleischten Londoner, einen Familienvater. Doch dann verliert er in einer banalen Situation die Nerven und steht plötzlich als Aggressor da – ein prominenter Mann, der tief fällt. Brüder erzählt von zwei deutschen Männern, geboren im gleichen Jahr, Kinder desselben Vaters, der ihnen nur seine dunkle Haut hinterlassen hat. Die Fragen, die sich ihnen stellen, sind dieselben. Ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein. Hier bestellen

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