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Mit virtuoser Phantasie erzählt Jeff VanderMeers Thriller „Borne“ von einer Mords-Kreatur mit Minz-Aroma

Borne Jeff VanderMeer

Shutterstock: © nouskrabs - Bildnummer: 383546950

25. September 2017 | Bernhard Berkmann | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten


Jeff VanderMeers „Borne“ wirft uns in eine dystopische, von der Firma regierten Welt, in der ein junges Paar ums Überleben kämpft. Eines Tages macht Rachel eine unglaubliche Entdeckung.


Jeff VanderMeers Biotech-Thriller spielt in einer Endzeitwelt

Balcony Cliff hört sich nach einem Urlaubsresort an. Doch der Name trügt: Der Ort, an den sich Rachel und Wick, die Protagonisten von Jeff VanderMeers Biotech-Thriller „Borne“ in ihrer zerstörten Endzeitwelt zurückgezogen haben, ist eine Müllhalde unter einem kranken Kiefernwäldchen. Menschliche Überreste, kaputte Kühlschränke und ausgebrannte Autos schützen das von ihnen bewohnte Tunnelsystem ebenso wie die Fallen, die Rachel angelegt hat. Schutz haben die beiden bitter nötig. Denn die Stadt ist zerstört und eine ominöse Biotech-Firma regiert die verwüstete Welt. Das an Balcony Cliff angrenzende Gebiet wird von einer Magierin beherrscht. Und dann gibt es noch Mord, den riesenhaften Bären.

Ein Bär, so hoch wie drei Stockwerke und scheinbar immun gegen alles

Mord ist so groß wie ein Haus, er hat Zähne und Klauen, die blitzschnell zerfleischen, was sie zu greifen bekommen. Der Bär ist der einzige, der Wasser aus dem verseuchten Fluss trinken kann, ohne zu sterben. Und seit kurzem ist er durch irgendeinen Technikzauber, der der Firma abgepresst worden sein muss, in der Lage zu fliegen. Mord, das Monster, ist eine Schöpfung der Firma und scheinbar der wahre Machthaber in dieser Endzeitwelt.

Wick handelt mit Drogen – mit kleinen Käfern, die Visionen bereiten

Doch bringt Jeff VanderMeers Riesenbär nicht nur Schrecken: In seinem klebenden, nach Aas und Chemikalien stinkenden Fell verfangen sich auch immer wieder Lebewesen und Gegenstände, die Rachel, Wick und die anderen um ihre Existenz kämpfenden Kreaturen, gebrauchen können: Packungen namenslosen Fleischs, Kadaver nicht zu erkennender Tiere – und auch die Art Käfer, die Wick herstellt. Die Tierchen sind eine Droge. Wer sie sich ins Ohr steckt, hat inmitten einer Explosion von Minze und Limone phantastische Visionen von Orten. Wick handelt mit derlei Drogen. Und wenn eine Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und Rachel aufkommt, dann steckt er sich einen Käfer ins Ohr.

Sie sind kein Liebespaar und vögeln doch miteinander

Die beiden jungen Helden von „Borne“ sind kein Liebespaar im herkömmlichen Sinn. Der Wunsch zu überleben hat sie zusammengebracht. Gelegentlich schlafen sie miteinander, ansonsten behandeln sie einander wie Freunde. Aber Rachel, aus deren Perspektive Jan VanderMeer seine fesselnde Geschichte erzählt, misstraut Wick. Und als Rachel eines Tages im Pelz von Mord ein nie gesehenes Wesen entdeckt, wird ihr Verhältnis zu ihrem Partner noch ein wenig undurchsichtiger.

Und dann entdeckt Rachel eines Tages die Kreatur „Borne“

Rachel spürt gleich, dass das Wesen Borne etwas Besonderes sein muss. Es sieht aus wie eine Kreuzung aus Seeanemone und Tintenfisch. „Eine glatte Vase mit sich wellenden Farben, die von dunkelviolett über tiefblau bis meergrün changieren. Vier vertikale Grate zogen sich über die warme und pulsierende Haut. Es roch nach Strandhafer an faulen Nachmittagen im Sommer, Meersalz und unterschwellig nach Passionsblumen.“

Ist Borne ein Machtinstrument der alles beherrschenden Firma?

Borne mag Kompostwürmer und verträgt Sonnenlicht. Erst viel später findet Rachel heraus, dass dieses Tier für jemand anderen als sie anders riechen und vielleicht sogar einen andere Form annehmen würde. Aber für was ist Borne gut? Ist es ein Produkt, womöglich sogar ein Machtinstrument der Firma? Wurde Borne ihr ganz bewusst zugespielt?

Borne ist ein Rätsel – ein machtvolles Rätsel, das Lügen enthüllt

Je mehr Borne sich entwickelt, umso klarer wird Rachel wie sehr sie die wahre Macht dieser Kreatur unterschätzt hat. Und während sie und Wick besorgt das Schwinden ihrer Hauptressource – der letzten Vorräte an unverarbeitetem Biotech – beobachten, schickt sich Borne an, die Lügen und Geheimnisse dieser verrotteten Welt zu enthüllen. Eine Welt, die Jan VanderMeer mit virtuoser Phantasie beschreibt und mittels unerhörter Figuren und Kreaturen bevölkert. Borne wird allen ihre Grenzen zeigen. Und Borne wird mächtiger werden als es sich Rachel jemals erträumt hätte.

Jeff VanderMeer
Jeff VanderMeer

Geboren 1968 in Pennsylvania, wuchs Jeff VanderMeer auf den Fidschi-Inseln auf. Er ist ein vielfach ausgezeichneter Science-Fiction-Autor und gewann u.a. den renommierten World Fantasy Award.
Zur Biografie von Jeff VanderMeer

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Jeff VanderMeer
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Geboren 1968 in Pennsylvania, wuchs Jeff VanderMeer auf den Fidschi-Inseln auf. Er ist ein vielfach ausgezeichneter Science-Fiction-Autor und gewann u.a. den renommierten World Fantasy Award.
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